Synthetische Biologie: Staaten sind verpflichtet, vorsorglich zu handeln

194 Staaten haben sich darauf geeinigt, dass beim Thema ‚Synthetische Biologie‘ das Vorsorgeprinzip zwingend zur Anwendung kommen muss. Zudem sollen die Staaten eine effektive Risikoabschätzung und ein funktionierendes Risikomanagement einrichten, bevor sie überhaupt daran gehen, Feldversuche mit Produkten der synthetischen Biologie zuzulassen. Niedergeschrieben ist das in einem Beschluss der zwölften Vertragsstaatenkonferenz der UN-Konvention zum Schutz der Artenvielfalt (CBD). Die Konferenz fand von 06. bis 17. Oktober 2014 in Pyeongchang in Korea statt. Unter synthetischer Biologie versteht man die Schaffung künstlichen Erbguts und damit künstlichen Lebens, um es industriell zu nutzen.

„Die Entscheidung ist ein klares Signal, dass die Synthetische Biologie dringend bewertet und reguliert werden muss“, kommentierte Dana Perls of Friends of the Earth USA die Entscheidung. Jim Thomas von der Umweltorganisation ETC Group verglich die bisherige Entwicklung von Synbio mit dem gesetzlosen Wilden Westen. „Endlich bahnt die UNO den Gesetz den Weg.” Wie die einzelnen Staaten den Beschluss der Konferenz umsetzen, bleibt abzuwarten. Dem Bericht der ETC Group zufolge hatten einige Industriestaaten, darunter Kanada, Australien und Großbritannien lange und massiv gegen den Beschluss opponiert. Zahlreiche Entwicklungsländer hingegen wollten ein komplettes Moratorium für Synbio-Produkte. Denn einige der von künstlich geschaffenen Mikroorganismen hergestellten Stoffe sollen traditionelle Erzeugnisse wie Vanille oder Safran ersetzen und könnten dadurch deren traditionelle Produzenten vom Markt verdrängen. „Die Analyse der sozio-ökonomischen Auswirkungen synthetischer Produkte und Organismen soll daher auch Bestandteil der wissenschaftlichen Analysen sein“, schreibt Katja Heubach vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in ihrem Blog-Beitrag von der Konferenz. „Hervorzuheben ist hier insbesondere, dass der Text explizit vorschlägt, indigene und lokale Gemeinschaften an diesen Analysen zu beteiligen.“

Was den Schutz der Artenvielfalt angeht – das Hauptthema der Konferenz – gibt es wenig Positives zu vermelden.