Die Deutschen und Synbio: Wenig Ahnung, aber kritisch

Die meisten Deutschen kennen sich mit Synthetischer Biologie (Synbio) kaum aus. 10 % der Befragten interessierten sich für dieses Forschungsgebiet, ganze 2 % sagten „ich kenne mich ganz gut aus.“ Hingegen stimmten 82 % der Aussage zu: „Weiß kaum etwas über dieses Gebiet.“ Diese Zahlen stammen aus einer Untersuchung des Instituts für Demoskopie (IfD) Allensbach und der nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina.

Darin heißt es: „Die Ergebnisse der Bevölkerungsumfrage machen jedoch deutlich, dass auch bei geringem Interesse und Wissen durchaus eine Meinungsbildung erfolgt.“ Denn die Befragung zeigte auch, dass 27 Prozent der Deutschen die Synthetische Biologie, also die künstliche Herstellung von Zellen und Organismen, spontan mit Hoffnungen verbinden, 57 Prozent bereitet sie Sorgen. Die am häufigsten von dem Begriff ausgelösten Assoziationen waren „Eingriffe in die Natur“ und „Risiko/Gefahr“

Mit der Quote an Befürchtungen liegt Synbio zwischen Nanotechnologie (40 % Befürchtungen) und Agro-Gentechnik (82 %). Diese spontan geäußerten Befürchtungen verkehrten sich in ihr Gegenteil, sobald die Interviewer Synbio mit konkreten Anwendungsbeispielen verknüpften: Synthetische Biologie definiert als „Schaffung künstlicher Zellen, die man zur Bekämpfung von Krankheiten in den Körper einsetzt“ weckte bei 57 % der Befragten Hoffnungen und nur bei 32 % Sorgen. Weniger deutlich war die Zustimmung, wenn Synbio mit der Herstellung von Treibstoffen oder dem Abbau von Umweltschadstoffen verbunden war. Der gleiche zustimmende Effekt stellte sich auch ein, wenn die überwiegend kritisch gesehene Nanotechnologie mit wasserabweisenden Oberflächen in Verbindung gebracht wurde.

Zusätzlich zu 2.350 Normalbürgern befragte das IfD auch jeweils 100 Journalisten und Wissenschaftler. Denn der Schwerpunkt der Untersuchung lag darauf, die Kommunikation über Synthetische Biologie zu verbessern. Es zeigte sich, dass Journalisten Wissenschaftlern sehr viel Vertrauen entgegenbringen. Ein Drittel hatte in Kompetenz und Verantwortungsgefühl der deutsche Wissenschaftler sehr großes Vertrauen, weitere 62 % äußerten „eher großes Vertrauen“. Als ihre wichtigste Aufgaben nannten die Journalisten Hilfestellung bei der Bewertung von Forschungsergebnisse zu bieten und über Risiken zu informieren. Bezogen auf Synbio allerdings meinten 95 % der Journalisten, diese Forschungen seien einem größeren Publikum eher schwer zu vermitteln. Ganz im Gegensatz zum Beispiel zu Elektroautos oder erneuerbaren Energien als Thema. Die Untersuchung empfiehlt, bei der Synthetischen Biologie „sowohl Risiken und Unsicherheiten als auch das Nutzenpotenzial zu kommunizieren.“