Immer noch ein Problem: Gentechnik in Bio-Baumwolle

Das Chemische Untersuchungsamt Freiburg (CVUA) hat neun Proben von Bio-Baumwolle untersucht. Vier davon enthielten Fasern von gentechnisch manipulierter Baumwolle, davon kamen drei aus Indien. In Bio-Baumwolle aus der Türkei und Kirgisistan war dagegen keine GV-Baumwolle nachweisbar.
Das CVUA schreibt, dass Fasern von Rohbaumwolle noch große Mengen an Erbsubstanz enthalten. Deshalb sei ein Nachweis etwaiger gentechnischer Veränderungen einfach möglich. „Quantitative Aussagen können allerdings mangels verfügbarer, auf die Matrix Baumwollfaser angepasster Referenzmaterialien nicht getroffen werden.“ Im Falle der Proben aus Indien habe der Anteil an GV-Baumwolle „jeweils deutlich über 10 %“ gelegen.
Auch bei gekämmter Baumwolle sei ein Nachweis noch eindeutig möglich, allerdings bei erhöhter Nachweisgrenze, schreibt das CVUA. „Der Nachweis in verarbeiteten Erzeugnissen ist nur in Einzelfällen möglich. Diverse mechanische und insbesondere chemische Behandlungsschritte zerstören die zum Nachweis benötigte Erbinformation.“

Unklar ist die rechtliche Bewertung der Funde. Für Rohbaumwolle als unverarbeitetes landwirtschaftliches Erzeugnis gilt die EU-Öko-Verordnung. Sie darf nicht aus gentechnisch manipuliertem Saatgut erzeugt werden. Aus Bio-Baumwolle hergestellte Textilien jedoch werden von der EU-Öko-Verordnung nicht erfasst. „Allerdings besteht ein erhebliches Täuschungspotenzial, wenn Kleidung als „organic” oder Öko bezeichnet wird bzw. Etiketten als Rohstoff kbA Baumwolle angeben, die als Rohstoff verwendete Baumwolle jedoch gentechnisch verändert ist“, argumentiert das CVUA. Auch schließe der weltweit führende Global Organic Textile Standard (GOTS) die Verwendung von GV-Baumwolle aus. Jedoch sei für Textilien „der Tatbestand der Täuschung bzw. Irreführung im deutschen Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz bisher nicht verankert.“

Fazit: Firmen, die bewusst oder aufgrund mangelhafter Qualitätssicherung gentechnisch verunreinigte Bio-Baumwolle verarbeiten, müssen keine Konsequenzen fürchten. Im fertigen Produkt ist die Verunreinigung kaum nachweisbar und selbst dann bleibt sie rechtlich ohne Konsequenz.
Neu ist das Thema Gentechnik in Bio-Baumwolle nicht. Genfoodneindanke berichtete schon 2010 darüber.