Neue Manipulationsmethoden brauchen neue Gesetze

Greenpeace, Friends of Earth, Testbiotech und andere gentechnikkritische Organisationen haben dem EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis, einen Brief geschrieben. Darin geht es um neue Methoden, Pflanzen gentechnisch zu verändern, die bisher nicht klar gesetzlich geregelt sind. Die Saatgutkonzerne drängen darauf, solche Methoden nicht in die EU-Gentechnikregelungen aufzunehmen. Die Organisationen hingegen wollen erreichen, dass die mit solchen Methoden hergestellte Organismen ebenfalls unter die Gentechnik-Regelungen fallen. Sie müssten dann das aufwändige Zulassungsverfahren durchlaufen und gekennzeichnet werden.

Im Zentrum der Diskussion stehen Verfahren wie Cisgentechnik, Oligonukleotidtechnik, die Verwendung von Nukleasen (Gen-Scheren) und Eingriffe in die Genregulierung (Epigenetik). Bei der Cisgentechnik werden nicht fremde Gene in eine Pflanze eingebracht, sondern Gene der gleichen Art, etwa eine Pilzresistenz aus einer Wildkartoffel in eine Saatkartoffel. Dies wäre auch mit konventioneller Züchtung möglich, argumentieren die Anwender.
Bei der Oligonukleotidtechnik sollen synthetisch hergestellte DNA-Abschnitte die Zellen dazu bringen, die Struktur ihrer eigenen DNA zu verändern, also eine gezielte Mutation hervorrufen.
Mit Hilfe von Gen-Scheren können in eine Pflanze zusätzliche DNA-Abschnitte eingebaut oder Mutationen hervorgerufen werden.
Bei der Genregulierung werden mit Hilfe von Botenstoffen (RNA) gezielt Gene ein- oder ausgeschaltet. Ein Beispiel dafür ist der in den USA zugelassene Arctic Apple.

Der Informationsdienst Gentechnik und Testbiotech beschreiben diese und andere Verfahren sowie die damit verbundenen Risiken in ihren Dossiers genauer. Noch sind manche Verfahren erst im Laborstadium. Doch ist absehbar, dass sie in Zukunft die Pflanzenzüchtung massiv beeinflussen werden.