Gentechnik in London: Vorsorge ist unbritisch

Der Wissenschaftsausschuss des britischen Unterhauses hat einen Bericht zur Agro-Gentechnik veröffentlicht. Er kommt zu dem Schluss, dass die EU-Regelungen zur Gentechnik mit ihrem Vorsorgeprinzip den Anbau gentechnisch manipulierter Pflanzen in Großbritannien verhindern und deshalb ersetzt werden sollen. Auch die britische Regierung setzt sich vehement für mehr Gentechnik auf den Äckern ein.

Das im EU-recht verankerte Vorsorgeprinzip sei sinnvoll für Fälle, in denen die vorliegenden wissenschaftlichen Daten unzureichend oder widersprüchlich seien, argumentiert der Ausschussvorsitzende Andrew Miller und behauptet: „Es ist wissenschaftlich eindeutig belegt, das gentechnisch veränderte Pflanzen kein größeres Risiko für Menschen, Tiere und Umwelt bedeuten als konventionell gezüchtete Pflanzen.“ Das EU-Recht erlaube es gentechnik-kritischen Mitgliedsstaaten das Wachstum der Agro-Gentechnik in andern Ländern zu blockieren. „Das hat die Forschung aus der EU vertrieben und gefährdet die Fähigkeit Großbritanniens eine führende Rolle in der modernen Agrartechnik zu spielen.“ Die von der EU beschlossene Opt-out-Regelung sieht Miller als einen Fortschritt, weil dadurch die Blockadehaltung gentechnikkritischer Staaten aufgeweicht werde. Notwendig sei jedoch eine Regelung, die es einzelnen Mitgliedsstaaten erlaube, Gentechnik-Pflanzen für den Anbau zuzulassen, sobald sie die Risikoabschätzung der EFSA durchlaufen hätten.

Kein gutes Haar an dem Bericht lassen die britischen Gentechnik-Kritiker. Claire Robinson von GMWatch wirft dem Ausschuss vor, sämtliche Studien ausgeblendet zu haben, die schädliche Auswirkungen etwa von Bt-Mais auf Schmetterlinge und andere Nützlinge belegen würden. Statt dessen berufe sich der Bericht auf überholte und widerlegte Daten.