WHO: Glyphosat ist „wahrscheinlich krebserregend“

Das Internationale Krebsforschungszentrum (IARC) der Weltgesundheitsorganisation WHO hat die bisher vorhandenen Forschungsarbeiten zu Glyphosat bewertet und das Herbizid als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Es gebe „begrenzte Belege“ dafür, dass Glyphosat Lymphdrüsenkrebs beim Menschen auslöse sowie „überzeugende Belege“ dafür, dass der Wirkstoff bei Labortieren wie Mäusen und Ratten Krebs verursache. Die Mitteilung des IARC wurde in der britischen Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht und hat für Aufsehen gesorgt. Schließlich handelt es sich um das weltweit am häufigsten eingesetzte Herbizid. Umweltschützer forderten in der taz ein vorsorgliches Verbot von Glyphosat.

In der EU steht in diesem Jahr die Neuzulassung von Glyphosat an. Die grundlegende Bewertung dafür hat das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung 2013 erarbeitet und dem Herbizid darin einen von Umweltschützern stark kritisierten Persilschein ausgestellt. In einer ersten Stellungnahme schreibt das BfR, die Einstufung des IARC sei „auf Basis der vorliegenden Informationen wissenschaftlich schlecht nachvollziehbar und offenbar nur mit wenigen Studien belegt. Die Entscheidung der IARC kann jedoch nicht abschließend beurteilt werden, da die finale IARC-Monographie, in der die Entscheidung ausführlicher begründet werden wird, noch nicht vorliegt.“
Die Süddeutsche Zeitung zitiert den zuständigen BfR-Abteilungsleiter mit den Worten, man habe vor Kurzem 150 neue und 900 ältere publizierte Studien zu Glyphosat ausgewertet. Darunter seien auch diejenigen Studien gewesen, die jetzt in Lancet als Beleg für die Gefährlichkeit von Glyphosat angeführt würden. „Das Ergebnis war, dass Glyphosat für Menschen nicht krebserregend ist. Die Schlussfolgerung der WHO ist für uns nicht nachvollziehbar“. Ähnlich argumentiert Monsanto: „Jede Studie, die das IARC verwendet hat, wurde bereits von Zulassungsbehörden bewertet – zuletzt durch deutsche Behörden im Auftrag der EU.“

Dass Glyphosat entgegen allen amtlichen Beurteilungen Erbgut und Embryonen schädigt, ist ebenfalls seit Jahren ein Thema. Am deutlichsten treten diese Folgen in Argentinien auf, wo das Herbizid im großen Stil von Flugzeugen über Felder und Menschen gesprüht wird. Der TV-Journalist Andreas Rummel war mit seinem Team 18 Tage in Argentinien unterwegs. Was er dort gesehen und erlebt hat, schildert der Dokumentarfilm „Tote Tiere, kranke Menschen“ am Dienstag, den 31. März, um 21 Uhr 15 auf Arte.