Glyphosat: BfR hat Lücken in seiner Bewertung

Die vom Bundesinstitut für Risikobewertung verfasste Bewertung von Glyphosat hat Lücken. Das wirft das Pestizid-Aktions-Netzwerk PAN der Behörde vor. PAN stützt sich dabei auf eigene Recherchen, denen zufolge „es derzeit mindestens zehn Studien gibt, die zeigen, dass Glyphosat in Zellen sogenannten oxidativen Stress auslöst, der auch zur Krebsentstehung führen kann.“ Diesen Wirkungsmechanismus habe das BfR jedoch außer Acht gelassen, heißt es in der Mitteilung von PAN und Testbiotech. Dieses Versäumnis könnte ein Grund dafür sein, dass das BfR, anders als die Krebsexperten der Weltgesundheitsorganisation, zu dem Schluss komme, dass Glyphosat nicht krebserregend sei, schreiben die beiden Organisationen.

Der Toxikologe Peter Clausing, der für PAN Germany die vorliegenden Studien bewertet hatte, kritisierte: „Das BfR geht nur auf zwei Publikationen zum Thema oxidativer Stress ein, allerdings nicht im Zusammenhang mit einer möglichen Krebsentstehung. Mindestens acht weitere Untersuchungen aus den Jahren 2005 bis 2013, die über die Erzeugung von oxidativem Stress durch Glyphosat an Wirbeltieren wie Fischen, Kaulquappen, Mäusen und Ratten berichten, fanden überhaupt keine Erwähnung. Befunde dieser Art sind aber in Zusammenhang mit einer möglichen krebsauslösenden Wirkung relevant.“

Das sieht auch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO so, deren Experten vor kurzem Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ eingestuft hatten. Dabei betrachtete die IARC die Erzeugung von oxidativem Stress als einen von zwei Mechanismen, über die Glyphosat seine wahrscheinlich krebserzeugende Wirkung ausübt. Oxidativer Stress entsteht, wenn hochreaktive chemische Stoffe die Fähigkeit von Zellen überfordern, solche schädlichen Verbindungen zu deaktivieren und von ihnen verursachte Schäden zu reparieren. Diese Schäden, etwa an den Chromosomen des Erbguts können zu Krebs führen.

Das BfR erklärte, seine Zuarbeit im EU-Genehmigungsverfahren von Glyphosat für abgeschlossen. Es sei nicht zielführend, als Verfasser des Bewertungsberichts zu Glyphosat die IARC-Monographie zu kommentieren, schrieb das BfR.

Applaus für die Einordnung des IARC kam aus Argentinien. Der Nachrichtendienst GMWatch hat einen Artikel mit Stimmen argentinischer Forscher ins Englische übersetzt. Einer von ihnen ist Fernando Manas, der seit Jahren die erbgutschädigende Wirkung von Agrarchemikalie erforscht. Er bewertete die Einordnung durch das IARC „als Konsequenz aus den zunehmenden wissenschaftlichen Belegen, die von mehreren unabhängigen Forschern zusammengetragen wurden.“