Verpasste Chance: EFSA setzt weiter auf industrienahe Gentechnik-Experten

Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA hat ihr Expertengremien für Gentechnik neu besetzt. Das geschieht turnusmäßig alle drei Jahre. Elf der 18 Experten wurden neu in das Gremium berufen. Darunter befinden sich auch mehrere Wissenschaftler, die dem Gremium früher schon einmal angehörten, hat die Organisation Testbiotech festgestellt und kritisiert: „Bei diesen Experten handelt es sich zum Teil um Personen, die zum industrielastigen Ruf des Gremiums beigetragen haben.“ Konkret nennt Testbiotech vier Wissenschaftler, die für den industriefinanzierten Thinktank International Life Sciences Institute (ILSI) gearbeitet haben oder an dessen Publikationen mitschrieben. Bereits 2010 konnte Testbiotech nachweisen, dass ILSI die Zulassungsregeln der EFSA wesentlich beeinflusst hat.
Zwar sehen die Richtlinien zur Wahrung der Unabhängigkeit der EFSA eine Überprüfung aktueller Verbindungen zu industrienahen Vereinigungen wie ILSI vor. Doch sobald die Zusammenarbeit mit ILSI offiziell beendet ist, können auch Experten, die jahrelang eng mit ILSI kooperiert haben, in das Gremium aufgenommen werden.
Auch andere neu berufene Experten seien nicht frei von Interessenkonflikten, schreibt Testbiotech: So sei der französische Experte Fabien Nogue an einem Patent auf gentechnisch veränderte Pflanzen beteiligt. Insgesamt sei die Neubesetzung „kein Schritt in Richtung einer Stärkung industrieunabhängiger Expertise im GVO-Panel der EFSA“, schreibt Testbiotech. Vielmehr würden die Daten darauf hinweisen, „dass die EFSA nach wie vor nicht bereit ist, Interessenkonflikten in ihren Expertengremien wirkungsvoll zu begegnen.“