Papst Franziskus zur Agro-Gentechnik: Vorsichtige Skepsis – Warnung vor Konzernen

In seiner Umwelt-Enzyklika Laudato si´ hat sich Papst Franziskus in einigen Absätzen auch über „die von der Forschung ausgehende biologische Innovation“ geäußert. Er verteidigt darin die Freiheit der Wissenschaft und mahnt zugleich einen bedächtigen und vorsorglichen Umgang mit deren Erkenntnissen an. Deutliche Worte findet er zu den sozialen Auswirkungen des GVO-Anbaus.
Man komme nicht umhin „die Zielsetzungen, die Auswirkungen, den Kontext und die ethischen Grenzen dieser menschlichen Tätigkeit, die eine Form von Macht mit hohen Risiken darstellt, noch einmal zu überdenken“ heißt es im Absatz 131 der Enzyklika.
Dabei sei es schwierig, „ein allgemeines Urteil über die Entwicklungen von gentechnisch veränderten Pflanzen oder Tieren (GMO) im Bereich der Medizin oder der Weide- und Landwirtschaft zu fällen, da sie untereinander sehr verschieden sein können und unterschiedliche Betrachtungen erfordern.“
Schließlich bringe die Natur selbst genetische Veränderungen hervor. Auch der Mensch habe durch die Domestizierung von Tieren und die Kreuzung von Arten in die genetische Entwicklung eingegriffen. „In der Natur aber verlaufen diese Prozesse in einem langsamen Rhythmus, der nicht vergleichbar ist mit der Geschwindigkeit, die von den aktuellen technologischen Fortschritten auferlegt wird, auch wenn diese auf einer jahrhundertelangen wissenschaftlichen Entwicklung basieren.“ An anderer Stelle schreibt der Papst, dass sich die Risiken nicht immer auf die Technik selbst beziehen, „sondern auf ihre unangemessene oder exzessive Anwendung.“
Deutlich äußert sich Franziskus, mit Verweis auf Argentinien, über die sozialen Folgen des GVO-Anbaus: „An vielen Orten ist nach der Einführung dieses Anbaus festzustellen, dass der fruchtbare Boden in den Händen einiger weniger konzentriert ist, bedingt durch das „allmähliche Verschwinden der kleinen Produzenten, die sich infolge des Verlustes des bewirtschafteten Bodens gezwungen sahen, sich aus der direkten Produktion zurückzuziehen“. Die Schwächsten werden zu Arbeitern im Prekariat, und viele Landarbeiter ziehen schließlich in elende Siedlungen in den Städten. Die Ausdehnung der Reichweite dieses Anbaus zerstört das komplexe Netz der Ökosysteme, vermindert die Produktionsvielfalt und beeinträchtigt die Gegenwart und die Zukunft der jeweiligen regionalen Wirtschaft. In verschiedenen Ländern ist eine Tendenz zur Bildung von Oligopolen in der Produktion von Getreide und anderen für seinen Anbau notwendigen Produkten festzustellen. Die Abhängigkeit verschärft sich, wenn man an die Produktion von sterilem Getreide denkt, was am Ende die Bauern dazu zwingt, Getreide bei den Produktionsunternehmen zu kaufen.“