Studie der Bundestags-Grünen weist Glyphosat in der Muttermilch nach

Die Bundestagsfraktion Bündnis 90 /Die Grünen hat von einem Labor in Leipzig 16 Proben Milch von verschiedenen Müttern auf Glyphosat analysieren lassen. Es fand Belastungen in der Größenordnung von 0,2 bis 0,4 Nanogramm je Milliliter (ng/ml oder µg/l).
Diese Werte liegen deutlich über dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung für Pestizidrückstände von 0,1 ng/ml.

Die Grünen beurteilten die Werte als „sehr besorgniserregend“. Die teilnehmenden Frauen seien alle keine Anwenderinnen von Glyphosat gewesen und hätten sich überwiegend mit konventionellen Lebensmitteln ernährt. Der grüne Abgeordnete Harald Ebner erklärte: „Die Ergebnisse zeigen vor allem eines: Glyphosat ist allgegenwärtig. Dass in jeder untersuchten Muttermilchprobe mehr Glyphosat gemessen wurde, als für Trinkwasser zulässig ist, macht den dringenden Handlungsbedarf deutlich. Wir fordern ein umfassendes Human-Biomonitoring.“

Irene Witte, Professorin am Institut für Toxikologie der Universität Oldenburg, nannte die Werte im Tagesspiegel „untragbar“. „Ich hätte nicht mit solch hohen Rückstandswerten in der Muttermilch gerechnet, da Glyphosat stark wasser- und nicht fettlöslich ist.“ Der Deutschen Presse-Agentur sagte die Wissenschaftlerin, aus 16 Proben könne man keine endgültigen Schlüsse ziehen, aber sie seien ein erster Hinweis. Sie forderte, die Untersuchungen dringend auf mehr Frauen auszuweiten und dabei auch deren Ernährungsgewohnheiten zu betrachten.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hingegen erklärte, eine Überschreitung des Trinkwasserhöchstgehaltes, „ bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein gesundheitliches Risiko besteht, da der Trinkwasserhöchstgehalt ein Vorsorgewert für alle Pestizide ist und nicht toxikologisch für einzelne Wirkstoffe abgeleitet wird.“ So liege etwa der Pestizidgrenzwert für Babynahrung hundertfach höher als der für Trinkwasser. Die Behörde bezweifelte auch die angewandte Messtechnik. Sie sei für die Bestimmung von Glyphosat in Wasserproben vorgesehen, eine Eignung für Milch sei nicht belegt. „Aus den dem BfR vorliegenden Daten geht nicht hervor, ob der Test vorher für alle untersuchten Matrices (Muttermilch, Urin) validiert worden ist.“

Und was sagt BILD dazu: Die Zeitung hält die Spuren für wenig bedenklich, plädiert dafür, die Babys weiter zu stillen und zitiert Dr. Christian Albring vom Berufsverband der Frauenärzte: „Empfehlenswert ist es trotzdem für Mütter in Schwangerschaft und Stillzeit, nur Gemüse und Kornprodukte aus biologischem Anbau zu verzehren, da dort dieses Herbizid nicht verwandt werden darf.“

2 Gedanken zu „Studie der Bundestags-Grünen weist Glyphosat in der Muttermilch nach“

  1. Ein Kommentar zum Streit zwischen BfR und IARC über die Karzinogenität von Glyphosat.
    Von 1982 bis 2000 habe ich intensiv über die Karzinogenität von Polyzyklischen Kohlenwasserstoffen und ähnlichen Chemikalien geforscht. Zu meinen Publikationen habe ich oft die Tabellen der IARC, der Internationalen Krebsforschungsagentur der Vereinten Nationen, zu Rate gezogen. Es ist bei den Kollegen Konsens gewesen, dass die IARC viel zu wenige Substanzen als für Menschen „krebserregend“ oder „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft hat. Es waren um 1990 nur ca. 25 Substanzen als eindeutig krebserregend eingestuft worden.
    Selbst Benzo(a)pyren galt der IARC nur als „wahrscheinlich krebserregend“. So hätte das Tabakrauchen nie als gefährlich gelten dürfen!
    Bis heute hat die IARC nur 116 Substanzen als eindeutig krebserregend eingestuft. Diese Zahl ist nach wie vor weit untertrieben, glaube ich. Bei der IARC herrscht eine sehr hohe Hemmschwelle vor der Beurteilung „für Menschen krebserregend“.
    Dennoch wendet Montsanto anwaltlich ein, dass die IARC voreingenommen sei! Montsantos angeblich „schlagender“ Beweis: nur eine einzige Substanz sei bisher als ganz ungefährlich eingestuft worden.
    Demnach wäre die IARC also voreingenommen.
    Aber gemäß den Gründungsstatuten der IARC werden nur Substanzen ausgewertet, bei denen jemand begründet Verdacht geschöpft und gemeldet hat.
    So hat die IARC nach Auswertung der neuen Erkenntnisse von führenden Wissenschaftlern das Pestizid Glyphosat als “wahrscheinlich krebserregend” eingestuft. Bei der traditionellen Vorsicht der IARC halte ich es für ausgeschlossen, dass diese Neueinstufung unbegründet oder übertrieben wäre.

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