EFSA ernennt industrienahen Wissenschaftler zum Leiter der Abteilung Risikobewertung

Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat den Niederländer Hans Verhagen zum Leiter der Abteilung Risikobewertung berufen. Kritikern der Behörde gilt der niederländische Wissenschaftler als industrienah.

Verhagen hat lange für den Nahrungsmittelkonzern Unilever gearbeitet und wechselte 2005 in die niederländische Umwelt- und Gesundheitsbehörde RVIM. Von 2006 bis 2015 gehörte er dem EFSA-Wissenschaftlergremium NDA (Nutrition, Dietetic Products and Allergies) an, das unter anderem das Risiko von Lebensmittelzusatzstoffen bewertet. Für die industrienahe Organisation ILSI Europe arbeitete er am Projekt BRAFO mit, dass sich mit der Abwägung von Risiken und Nutzen bei bestimmten Lebensmitteln befasste – etwa mit der Frage, wie sich bei Fischen die Gehalte an gesunder Omega-3-Säure und giftigem Quecksilber gegeneinander abwägen lassen. (Die EU-Kommission plant aktuell, die für den menschlichen Verzehr erlaubte Quecksilberbelastung bei Raubfischen zu erhöhen, meldete Foodwatch). Die Organisation Corporate Europe Observatory hatte bereits 2012 auf diesen Interessenskonflikt Verhagens hingewiesen.

Doch auch ohne diese Personalie ist die Risikobewertung der EFSA ein Trauerspiel – meint die Organisation Testbiotech. Sie hatte sich bei der EU-Kommission über deren (von der EFSA gestützte Entscheidung) beschwert, den Gentech-Raps MON88302 für den Import zuzulassen und diese Beschwerde mit einer neuen Langzeitstudie über verwilderte Rapspflanzen begründet. Die EU-Kommission forderte die EFSA auf, das Dossier von Testbiotech zu bewerten. Die Behörde sah darin keinerlei Neuigkeitswert. „Absichtlich ingnorant“ sei die Behörde, schreibt Testbiotech: „Sie pickt sich aus Veröffentlichungen einseitig nur die Informationen heraus, welche ihre eigene Auffassung bestätigen.“