Neue Bewertungen: Glyphosat wird immer ungesünder

In der Diskussion um die Gefährlichkeit des Herbizidwirkstoffs Glyphosat verlieren dessen Verharmloser weiter an Boden. Bisher konnten sie sich darauf berufen, dass ein gemeinsames Gremium von Landwirtschafts- und Gesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (das Joint FAO/WHO Meeting on Pesticide Residues, JMPR), Glyphosat als sicher bewertet hatte. Das war allerdings 2011. Deshalb hatte die Weltgesundheitsorganisation eine Task Force aufgestellt, um zu prüfen, ob die JMPR-Bewertung noch aktuell sei.

Das Ergebnis der WHO-Experten: JMPR muss Glyphosat völlig neu bewerten. Das Gremium habe viele Studien, die mögliche Risiken belegen, bei früheren Einschätzungen nicht berücksichtigt, heißt es in dem Bericht. Er empfiehlt dem JMPR auch, seine internen Richtlinien, nach denen Studien in die Bewertung einbezogen oder ausgeschlossen werden, zu überarbeiten. „Diese Empfehlung ist das Eingeständnis eines riesigen blinden Flecks bei der bisherigen Bewertung von Glyphosat“, kommentierte Heike Moldenhauer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in der Süddeutschen Zeitung.

Massive Kritik übten die Bundestags-Grünen am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Es habe bei der Risikoeinschätzung von Glyphosat für die anstehende EU-Neuzulassung offenbar systematisch eine Vielzahl von Studien nicht berücksichtigt oder als nicht relevant abgetan. Das belege eine Überprüfung des unabhängigen Epidemiologen Eberhard Greiser von der Universität Bremen. Dieser warf dem BfR vor, wichtige epidemiologische Studien mit haltlosen Argumenten als wertlos abgetan zu haben. Gleichzeitig hatte das Institut, wie im Juli bekannt wurde, Leserbriefe von Monsanto-Mitarbeitern an Fachzeitschriften als Studien gewertet. Das BfR erklärte, es habe die epidemiologischen Studien zu Glyphosat umfassend geprüft