Testbiotech: Industrienahe Experten dominieren EU-finanzierte Risikoforschung

Das von der EU 2012 gestartete und finanzierte Forschungsprojekt GRACE führte Fütterungsversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen an Ratten durch. Die Ergebnisse wollen die beteiligten Wissenschaftler am 9. und 10. November auf einer Tagung in Potsdam vorstellen. Nach Meinung der Organisation Testbiotech zeigen die Resultate des Projektes eine massive Einflussnahme durch die Industrie. In einem Bericht beschreibt Testbiotech GRACE und fünf ähnliche EU-Projekte, die sich mit der Risikobewertung gentechnisch veränderter Pflanzen befassen. Der Bericht komm t zu dem Ergebnis, dass die Koordinatoren dieser Projekte „Teil eines engmaschigen Netzwerkes von Organisationen sind, die von der Industrie finanziert werden.“ Diese Wissenschaftler hätten „insbesondere Verbindungen zum International Life Sciences Institute (ILSI), das seit Jahren wegen Lobbytätigkeiten für die Gentechnik- und die Lebensmittelindustrie in der Kritik steht.“ Kontakte gebe es zur International Society for Biosafety Research (ISBR) und zur Public Research and Regulation Initiative (PRRI), die von der Biotechnologie-Industrie finanziell unterstützt würden.

Dieser Einfluss der Industrie spiegelt sich laut Testbiotech auch in den Ergebnissen der Projekte wider: „So wurden Ergebnisse nur unvollständig dargestellt oder gezielt in bestimmte Richtungen interpretiert und in mehreren Fällen wurden die eigentlichen Probleme oder relevante Forschungsfragen gar nicht berücksichtigt.“ Deshalb gebe es etwa bei GRACE eine „deutliche Tendenz, den zuständigen Stellen zu empfehlen, die von der EU-Kommission erst seit 2014 verpflichtend eingeführten Fütterungsstudien (Dauer 90 Tage) wieder abzuschaffen.“ Bereits vor einem Jahr hatte Testbiotech die Auswertung von Fütterungsversuchen durch GRACE-Wissenschaftler massiv kritisiert.

Vermittelt werden die Ergebnisse der Projekte laut Bericht oft von „Industrieagenturen wie Perseus und Genius, die im Auftrag von Biotech-Firmen agieren.“ Bei GRACE etwa kümmert sich Perseus um die Kommunikation. Die Agentur verhandelte auch im Auftrag der US-Firma Cibus über eine Anbaugenehmigung von Raps in Deutschland, der mit neuen Gentechnik-Verfahren hergestellt wurde. Dabei war es ein Ziel, die Beteiligung der Öffentlichkeit möglichst im vorneherein auszuschließen. Entsprechende Mails hatte Testbiotech vor kurzem veröffentlicht.

„Eine Handvoll industrienaher Wissenschaftler und ihr Netzwerk dominieren die mit öffentlichen Geldern finanzierte Gentechnik-Risikoforschung in der EU“, fasst Christoph Then von Testbiotech die Recherche zusammen. „Wir erwarten, dass die EU-Kommission jetzt Konsequenzen zieht. Es müssen neue Mechanismen entwickelt werden, um in Zukunft eine wirklich industrieunabhängige Risikoforschung zu fördern.“

Ein Gedanke zu „Testbiotech: Industrienahe Experten dominieren EU-finanzierte Risikoforschung“

  1. Es lohnt sich zu pruefen, wer TestBiotech finanziert. Man muss auf der Webseite des Vereins etwas suchen, stellt dann aber fest, dass der Verein ueberwiegend von der Bio-Lebensmittelindustrie finanziert wird. Wie war das mit „industrienah“ und „unabhaengig“?

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