Neue Belege: Wie Glyphosat harmlos gemacht wurde

In den 70-er und 80-er Jahren wurde das Herbizid Glyphosat mit gefälschten oder manipulierten Industrie-Studien schöngerechnet – und erhielt daraufhin die Zulassung in den USA. Auf diese Vorgänge haben zwei Veröffentlichungen aufmerksam gemacht. Sie sind interessant, weil auch im aktuellen Neulassungsverfahren das Bundesinstitut für Risikobewertung seine verharmlosende Bewertung mit nicht veröffentlichten Industrie-Studien rechtfertigt.

Anthony Samsel und Stephanie Seneff haben in ihrer Arbeit Unterlagen ausgewertet, die von der US-Umweltbehörde EPA im Zuge einer Anfrage nach dem Freedom of Information Act herausgegeben werden mussten. Demnach zeigten Langzeit-Fütterungsversuche von Monsanto über 26 Monate Nierenschäden und Tumorbildung. Doch die signifikanten Ergebnisse seien von Monsanto dadurch verschleiert worden, dass Daten von anderen Kontrollgruppen, die nichts mit dem Versuch zu tun hatten, in die Auswertung einbezogen wurden. Ohne diese Manipulation wäre der Wirkstoff von der EPA wohl nicht zugelassen worden, schlussfolgern die Autoren. Sie stellen zudem die wissenschaftlichen Belege zusammen, wie Glyphosat krankmachende, insbesondere krebsfördernde Stoffwechselvorgänge verursacht. Zum Schluss stellen sie eine Verbindung er zwischen dem steigenden Glyphosateinsatz in den USA und den parallel dazu steigenden raten diverser Krebserkrankungen in der US-Bevölkerung.

Marek Cuhra vom norwegischen Zentrum für Biosicherheit stellt eine Studie vor, die Monsanto 1978 erstellen ließ, um die Ungefährlichkeit von Glyphosat gegenüber Wasserorganismen zu belegen. Spätere Wiederholungen des Standards-Tests mit Wasserflöhen zeigten, dass der Wirkstoff bis zu 300 mal giftiger war als ursprünglich angegeben. Die Studie von 1978 war offensichtlich gefälscht. Dennoch finden sich ihre Daten bis heute in Risikoabschätzungen über Glyphosat. Cuhra berichtet auch von zwei bekannten Fällen, bei denen für Pestizidhersteller tätige Labore Versuchsdaten im Sinne ihrer Auftraggeber gefälscht hatten – auch für Monsanto. Diese Labore waren von US-Behörden überführt worden. Das Labor, dass 1978 Glyphosat an Wasserflöhen testete, gibt es heute noch.