Neue Berichte: Synbio stellt sich als der große Klimaretter dar

Die großen Agro-Gentechnikkonzerne und ihre Verbündeten bewerben die synthetische Biologie zunehmend als Werkzeug im Kampf gegen den Klimawandel. Ein Bericht der Heinrich-Böll-Stiftung und der ETC Group beschreibt diese Bemühungen im Bereich der Landwirtschaft.

2009 hatte die Welternährungsorganisation FAO den Begriff Climate Smart Agriculture – der klimaintelligenten Landwirtschaft – erfunden, um die Bedeutung der Landwirtschaft für den Klimaschutz zu unterstreichen. Binnen kurzem wurde er von der Agrar- und Ernährungsindustrie für ihr Modell einer intensiven Landwirtschaft mit gentechnologischer Unterstützung vereinnahmt. In einer gemeinsamen Erklärung warnten über 300 Entwicklungs- und Kleinbauernorganisationen, das allgemein formulierte Konzept biete der Agrarindustrie die Möglichkeit, ihre sozial- und klimaschädlichen Produktionsmodelle unter dem Deckmantel des Klimaschutzes zu vermarkten. „Eine von Industrieländern und multinationalen Agrar- und Lebensmittelkonzernen dominierte Global Alliance for Climate-Smart Agriculture versucht bereits, das Konzept in den Forschungs- und Entwicklungsbudgets von immer mehr internationalen Organisationen und Regierungen zu verankern.“

Der Report Outsmarting Nature stellt einige der Forschungsarbeiten von Konzernen zusammen mit Synbio-Unternehmen und Universitäten vor. Sie versuchen etwa, neue stickstoff-fixierende Mikroorganismen zu schaffen. Das Ziel ist es, diese natürliche Fähigkeit der Leguminosen auf andere Pflanzenarten wie Getreide zu übertragen. Ein andere Projekt versucht, Pflanzen weniger widerstandsfähig gegen Pestizide zu machen, um die Bildung von Resistenzen zu verhindern.

Ein weiterer Bericht von Böll-Stiftung und ETC Group beschreibt den Einsatz von synthetisch hergestellten Mikroorganismen bei der Ausbeutung schwer zugänglicher Öl- und Gasreserven. Dabei werden die synthetischen Mikroorganismen in das Gestein gepresst, um dort mittels bestimmter von ihnen erzeugter Chemikalien das Öl oder Gas auszuwaschen. Firmen wie BP, Shell und Statoil investieren in diese Technik.

Unter dem Titel Neue Versprechungen und alte Machtgefüge hat die Heinrich-Böll-Stiftung den beiden Berichten eine lesenswerte Einführung zum Thema Synbio vorausgestellt.