Alte gentechnische Verunreinigung in neuer Rapszüchtung

Im Rahmen von Züchtungsversuchen ist in acht deutschen Bundesländern Raps ausgesät worden, der mit genmanipuliertem Saatgut verunreinigt war. Die Pflanzen auf den insgesamt 48 Versuchsparzellen mit je 10 Quadratmetern Fläche wurden von den zuständigen Länderbehörden zerstört, teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mit. Bei den Versuchen habe es sich „um züchterische Arbeiten im kleinen Maßstab im Zuge der Vorprüfung und Sortenentwicklung gehandelt.“ Das verunreinigte Saatgut sorgte bereits Anfang November in England für Schlagzeilen. Auch in anderen EU-Ländern sollen Anbauversuche stattgefunden haben.

Verunreinigt war das Saatgut mit dem Gentech-Raps OXY-235 von Bayer Crope Science. Er ist resistent gegen das Herbizid Bromoxynil. Die als Navigator™ Canola Ende der 90-er Jahre vermarktete Sorte darf nur in Kanada und Japan angebaut werden. Als Lebensmittel ist sie zudem in den USA, China, Neuseeland und Australien zugelassen. In der EU ist der Raps nicht zugelassen, es liegt nicht einmal ein Antrag auf Zulassung vor. Offen ist, wie die Gentech-Samen in das neu gezüchtete Saatgut gelangen konnten. Denn in Kanada hatte Bayer den Gentech-Raps bereits 2002 vom Markt genommen, heißt es in einem Fachbuch von 2007. Und in Japan gibt es ebenfalls keinen kommerziellen Anbau.

Da der im Herbst ausgesäte Raps erst im nächsten Jahr geblüht hätte, konnten sich die OXY-235-Pflanzen nicht vermehren. Allerdings ist es bei den kleinen Rapssamen leicht möglich, dass welche vorab verloren gehen oder nicht aufgegangene Samen im nächsten Jahr austreiben. Deshalb forderte der britische Bioverband Soil Association, die betroffenen Flächen in England und Schottland für zehn Jahre zu überwachen. Gleiches sollte auch für die hiesigen Versuchsparzellen gelten.