EU-Experten weisen auf Risiken der synthetischen Biologie hin

Drei Expertengremien der EU haben in einer gemeinsamen Stellungnahme auf Risiken der synthetischen Biologie (SynBio) hingewiesen und die vorhandenen Wissenslücken aufgelistet. In der vorausgegangenen öffentlichen Konsultation haben Gentechnik-Lobbyorganisationen weitgehend erfolglos versucht, den Bericht abzuschwächen. Sie hätten gerne mehr über den möglichen Nutzen von SynBio gelesen. Gleichzeitig versuchten sie, potentielle Gefahren kleinzureden. Die EU-Experten entgegneten entsprechenden Umformulierungsvorschläge mehrfach, dass diese nicht dem Vorsorgegrundsatz entsprächen.

Der Bericht benennt vier Bereiche möglicher Risiken:
· Der Einsatz der künstlich geschaffenen SynBio-Organismen zur Rohstofferzeugung hat einen erhöhten Einsatz von Biomasse zur Folge. Deren intensiver Anbau kann die Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt beeinflussen.
· Verschiedene Anwendungen können dazu führen, dass SynBio-Organismen ungewollt in die Umwelt freigesetzt werden und dort die Biodiversität beeinträchtigen.
· Die SynBio-Alternativen zu bestehenden Chemikalien und Herstellungsprozessen müssen nicht nachhaltiger sein als herkömmliche Produkte.
· Die EU-Experten befürchten auch, dass die Anstrengungen, bedrohte Arten zu erhalten, nachlassen. Schließlich bräuchte man nur noch ihre Gensequenzen entschlüsseln und könnte sie im Falle des Aussterbens künstlich wieder herstellen.

Deutlich wird durch den Report auch, wie wenig bisher über mögliche Auswirkungen synthetisch hergestellter Organismen bekannt ist – insbesondere dann, wenn sie freigesetzt werden. Der Bericht empfiehlt, sich bei der Sicherheitsbewertung an den gentechnisch veränderten Organismen zu orientieren. Es brauche jedoch zusätzliche Forschungen und Debatten, um passende Werkzeuge für die Risikoabschätzung zu entwickeln und eine Ungleichheit zwischen Risikoabschätzung und technischem Fortschritt zu vermeiden.