Synbio: Bundestags-Berater empfehlen neue Sicherheitsforschung

Das Büro für Technikfolgenabschätzung (TAB) beim Deutschen Bundestag hat einen Arbeitsbericht zum Thema Synthetische Biologie vorgelegt. Er beschreibt ausführlich den Stand von Forschung, Entwicklung und Anwendung in verschieden Bereichen wie Energiegewinnung, Medizin und Umwelt. Er widmet sich den Sicherheitsfragen von Synbio und überlegt, wie man die Öffentlichkeit in die Diskussion über diese „nächste Stufe der Bio- und Gentechnologie“ einbeziehen kann. Breiten Raum nimmt in dem Bericht auch die wachsende Bewegung der Do-it-yourself-Biologie ein. Die wichtigsten Ergebnisse hat das TAB-Büro in der aktuellen Ausgabe seines Rundbriefes zusammengefasst.

Um das „ganz besonders sperrige“ Thema in den Griff zu bekommen, haben die TAB-Experten zwischen Synbio im engeren Sinn und einem weiter gefassten Synbio-Begriff unterschieden. Zu Synbio im engeren Sinn zählen sie alle Konzepte, die sich um am Reißbrett entworfene und weitgehend neu konstruierte Zellen oder Organismen drehen. Diese Konzepte befänden sich noch im Bereicht der Grundlagenforschung und weit entfernt von praktischen Anwendungen. Ganz anders Synbio im weiteren Sinn, wozu auch das als Genome Editing bezeichnete Umprogrammieren von Genen gehört. Hier gehe es um „meist anwendungsorientierten Ansätze der molekularbiologischen Veränderung bekannter Organismen.“ Die seit Frühjahr 2015 intensiv geführte Diskussion um die Genome Editing Verfahren hätten die „Debattenlage über die Weiterentwicklung und -nutzung von Genmanipulationstechniken“ verändert, stellen die TAB-Autoren fest. Die Debatte werde sich „voraussichtlich sehr stark um Fragen der Regulierung und damit der Risiken drehen. Dabei richtet sich die größte öffentliche Besorgnis verständlicherweise auf mögliche Anwendungen beim Menschen.“ Doch sei auch die Anwendung der Verfahren bei Pflanzen Anlass für eine sehr grundsätzliche Wiederaufnahme der Debatte über die Definition, Sicherheit und die Risikoabschätzung von gentechnisch veränderten Organismen.

Deswegen empfiehlt das TAB-Büro den Ministerien für Forschung, Umwelt und Landwirtschaft, sich erneut der Biosicherheitsforschung z zuwenden. Dabei „erscheint es unumgänglich, die bisherigen, ungelösten Kontroversen über die Risikobewertung von ‚konventionellen’ GVO ein weiteres Mal aufzurollen und zu versuchen, die Schwachstellen bzw. Streitpunkte der Risikoforschung einer umfassenden und vor allem diskursiven Bilanzierung zu unterziehen.“ Dabei sei nicht zu erwarten, dass die Streitpunkte aufgelöst werden. Das Ziel „sollte eine weiter gehende Verständigung der unterschiedlichen Akteure als bislang über die (nach wie vor) offenen Fragen der Biosicherheitsforschung zu GVO sein.“
Weiter heißt es im Bericht: „Da bei der Risikobewertung von GVO die (natur)wissenschaftlichen Aspekte nur einen Teil der relevanten Fragen abdecken, müsste ein zukünftiges Biosicherheitsprogramm von vornherein auch sozial-, geistes-, wirtschafts- und rechtswissenschaftlich ausgerichtet sein, langfristig und ressortübergreifend konzipiert, und dabei echte Beteiligungsmöglichkeiten für die Kompetenz und Interessen aller relevanten gesellschaftlichen Akteure bieten.“