Herbizide: In Kombination besonders ungesund

Die Organisation Testbiotech hat heute eine Studie vorgestellt, in der die Gesundheitsrisiken von Glyphosat in Kombination mit anderen Spritzmitteln bewertet werden. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass Rückstände aus der kombinierten Anwendungen von Glyphosat mit Dicamba oder Isoxaflutol, ein höheres Risiko aufweisen, das Erbgut zu verändern und Vergiftungen der Leber sowie Tumore auszulösen, als die einzelnen Ausgangsstoffe.
Am 11. Januar diskutieren die Behörden der EU-Mitgliedsstaaten noch einmal Anträge der Konzerne Monsanto und Bayer. Sie betreffen zwei genmanipulierte Sorten Sojabohnen, die gegen jeweils zwei Herbizide resistent sind und als Lebensmittel zugelassen werden sollen. Bei MON87708 x MON89788 sind dies Glyphosat und Dicamba, bei FG72 Glyphosat und Isoxaflutol. Kommen die Mitgliedsstaaten wiederum zu keinem klaren Votum, darf die EU-Kommission die Entscheidung alleine fällen – und wird beide Sorten vermutlich zulassen. Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA hat ihnen bereits einen Persilschein ausgestellt.
„Die EU-Kommission hat uns mehrfach schriftlich versichert, dass die Herbizide, die bei den Sojabohnen eingesetzt werden, auf alle relevanten Risiken geprüft wurden. Wir sind daher nicht nur über das Ergebnis des toxikologischen Gutachtens besorgt, sondern auch schockiert von der Art und Weise, wie die EU-Kommission mit diesen Gesundheitsrisiken umgeht. Es sieht so aus, als ob die Stellungnahmen der EU-Kommission der gezielten Desinformation dienen sollten“, sagte Christoph Then von Testbiotech.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass über die kombinierte Wirkung der jeweiligen Pestizide so gut wie keine Daten vorliegen. Deshalb wählte der Autor Wolfgang Reuter einen theoretischen Ansatz. Kombinationswirkungen, die stärker sind als die Summe der Einzelwirkungen, kommen vor allem vor, wenn die Schadstoffe die gleichen Stellen im Organismus angreifen, auf dieselbe Art wirken oder die gleiche Erkrankung hervorrufen. Reuter wertete insbesondere die offiziellen Risikoabschätzungen der EFSA zu den drei Pestiziden aus. Die Kombination Glyphosat/Dicamba erhöht demnach das Risiko im Hinblick auf Genotoxizität und Totgeburten, während Glyphosat/Isoxaflutol Leberschädigungen, Lebertumore und fruchtschädigende Effekte gemeinsam hatten.