USA: Genmanipulierte Luzerne macht sich vom Acker

Luzerne (Alfalfa) ist in den USA mengenmäßig die viertwichtigste Anbaupflanze und dient als Viehfutter. 2005 wurde zum ersten Mal eine genmanipulierte Luzerne von Monsanto für den Anbau freigegeben. Es folgten mehrere Klagen, bis schließlich das US-Landwirtschaftsministerium den Anbau der Gentech-Luzerne Anfang 2011 ohne Auflagen erlaubte. Mit drastischen Folgen, wie eine Studie von Wissenschaftlern eben dieses Ministeriums aufzeigte.

Sie hatten bereits in den Jahren 2011 und 2012 insgesamt 4.580 Flächen in den US-Staaten Kalifornien, Idaho und Washington überwacht. Auf 400 von ihnen wuchs in diesen beiden Jahren wildwachsende Luzerne, die von den Wissenschaftler untersucht wurde. Sie fanden im Schnitt in gut einem Viertel der Proben genmanipuliertes Erbgut. Vermutlich wurden bei Anbau, Ernte und Transport Samen der Gentech-Pflanzen verstreut. Solche Verunreinigungen zu minimieren und Alfalfa an Straßenrändern auszureißen sei wohl die beste Minimierungsstrategie, schreiben die Wissenschaftler.

Doch vermutlich ist es dafür schon zu spät. Denn Luzerne ist eine einjährige Pflanze, die sich jedes Jahr neu aussät. Inzwischen dürften sich längst selbsterhaltende Populationen wilder Gentech-Luzerne entwickelt haben. Das befürchtet die Verbraucherorganisation Center for Food Safety (CFS), die jahrelang juristisch gegen die Zulassung von Gentech-Luzerne gekämpft hatte. Sie weist auch darauf hin, dass das Erbgut nicht nur durch verstreute Samen sondern auch durch pollensammelnde Bienen übertragen werden kann. 2014 habe China zahlreiche Lieferungen von US-Alfalfa zurückgewiesen, weil es gentechnisch verunreinigt war.

Das CFS vermutet, dass heute weitaus mehr Gentech-Luzerne wild wächst als die Wissenschaftler festgestellt hätten. Der Anbau der manipulierten Pflanze sei von 2007 bis 2011 ausgesetzt gewesen. Die 2011 und 2012 gefunden Bestände müssten also auf den Anbau in den Jahren 2005 und 2006 zurückgehen. Damals war nur ein Prozent der Luzernefelder mit Gentech-Pflanzen bestückt. Heute seien es laut Monsanto 30 Prozent. Aus Sicht des CFS zeige die Studie einmal mehr: „Koexistenz ist ein Märchen“.