Glyphosat: EU-Staaten sollen am 7. /8. März entscheiden – Frankreich sieht Krebsgefahr

Die französische Lebensmittelbehörde ANSES hat in einer eigenen Bewertung das Herbizid Glyphosat als vermutlich krebserregend beim Menschen eingestuft. Dabei bezog sich die Behörde auf die CLP-Verordnung des europäischen Chemikalienrechts. Sie regelt die Gefahreneinstufung von Chemikalien und deren Kennzeichnung mit den bekannten Gefahrsymbolen. Für Glyphosat würde dann der Warnhinweis H351 gelten: „Kann vermutlich Krebs erzeugen.“ ANSES schreibt, dass die bisherige Einstufung von Glyphosat durch die Europäische Chemikalienagentur ECHA dringend überarbeitet werden müsste. Die Behörde kündigte zudem an, umgehend sämtliche Vermarktungszulassungen für glyphosathaltige Produkte zu überprüfen, die als Netzmittel Tallowamine enthalten.

Bleibt abzuwarten, wie Frankreich abstimmen wird, wenn am 7. oder 8. März im Ständigen EU-Ausschuss für die Lebensmittelkette die zuständigen Beamten der EU-Mitgliedsstaaten zusammenkommen, um über die weitere Zulassung von Glyphosat für die nächsten 15 Jahre zu entscheiden. Der BUND hatte mitgeteilt, dass diese Entscheidung deutlich früher als geplant auf der Tagesordnung stehe. „Wir haben Informationen über die bisher noch geheime Entscheidungsvorlage der EU-Kommission zugespielt bekommen – und sind entsetzt: Glyphosat soll einen Freispruch erster Klasse erhalten; keine der Gefahren, die Glyphosat bisher attestiert wurden, taucht in der Genehmigungsvorlage auf“, schreibt der Verband. Auf seiner Webseite kann man Landwirtschaftsminister Christian Schmidt und Umweltministerin Barbara Hendricks auffordern, ein Veto gegen die Glyphosat-Wiederzulassung einzulegen.

Es sei „geradezu unverantwortlich“, dass die EU-Kommission die Anwendung des Herbizids ohne Auflagen genehmigen wolle, schreiben die beiden grünen Parlamentarier Martin Häusling und Harald Ebner: „So soll sogar der in der Bundesrepublik untersagte Einsatz als Reifebeschleuniger von Getreide (Sikkation) erlaubt sein. Auch soll es keine Mengenbeschränkung geben. Zudem will die Kommission den Verkauf an Laien für den Gebrauch im Garten und auf Gehwegen ebenfalls weiter zulassen.“ Vor einer überstürzten Neuzulassung müssten wenigstens noch die Glyphosat-Bewertungen der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) und der WHO-Pestizidexperten vom Joint Meeting on Pesticide Residues (JMPR) abgewartet werden. Außerdem müssten die Umweltrisiken von Glyphosat stärker einbezogen werden, schreiben die Abgeordneten. Das habe sogar die europäische Lebensmittelbehörde EFSA angemahnt.