Europaparlament debattiert über CRISPR&Co: Wohl eher keine Gentechnik

Das europäische Parlament wird sich in seiner Plenarsitzung kommende Woche mit neuen gentechnischen Züchtungsverfahren wie CRISPR oder Zinkfingernukleasen beschäftigen. Zur Abstimmung steht ein Bericht den federführend die britische konservative Abgeordnete Anthea McIntyre verfasst hat. Sie spricht sich dafür aus, den neuen Verfahren möglichst wenig Steine in den Weg zu legen. Der Agrarausschuss des EU-Parlaments nahm ihren Antrag bereits Ende April mit 23 zu 14 Stimmen bei 4 Enthaltungen an.

Der Bericht über technische Lösungen für die nachhaltige Landwirtschaft in der EU geht davon aus, dass die Landwirtschaft die Herausforderungen der Zukunft, insbesondere die Ernährung von über neun Millionen Menschen bis 20150, nur durch technische Innovationen bestehen kann. Dazu zählt er neben einer Präzisionslandwirtschaft auch „das Potenzial der Präzisionszucht für verbesserte Pflanzensorten“ und nennt eigens den „Einsatz von Zinkfingernukleasen (ZFN) und des CRISPR-Systems für die Entfernung oder Einfügung von DNA (Genome Editing), die oligonukleotid-vermittelte Mutagenese“ sowie die cytoplasmatische männliche Sterilität (CMS). Weiter heißt es im Berichtsentwurf, das Parlament weise mit Nachdruck darauf hin, „dass die Anwendung und Erprobung von hochpräzisen Zuchtmethoden ohne stichhaltige wissenschaftliche Gründe nicht behindert werden darf und dass die Rechtsvorschriften zweckdienlich sein sollten, damit sie mit den Entwicklungen Schritt halten, ohne Aufwand zu verursachen.“

Unter den 77 Punkten des Berichts finden sich auch welche, die sich für mehr biologischen Pflanzenschutz aussprechen oder dafür, „dass die Leistung lokaler Sorten erhalten und ausgebaut wird, da sie sich an die Gegebenheiten ihrer heimischen Umgebung anpassen können.“ Doch insgesamt zeichnet Anthea McIntyre in ihrem Bericht das Bild einer intensiven und gentechnikfreundlichen Hightech-Landwirtschaft als Lösung für die durch die intensive konventionelle Landwirtschaft verursachten Probleme und für die auf die Landwirtschaft zukommenden Herausforderungen.

Die Abstimmung des Parlaments hat keine direkten Konsequenzen. Ob die neuen Züchtungstechniken unter das EU-Gentechnikrecht fallen, entscheidet die EU-Kommission. Sie wollte sich bereits zu Beginn des Jahres festlegen, hat diese Frist aber inzwischen mehrfach verstreichen lassen. Angesichts der Unentschlossenheit der Kommission kann die Festlegung des Parlaments durchaus eine Wirkung haben.