US-Behörde erklärt Synbio-Süßstoff für unbedenklich

Die US-Lebensmittelbehörde FDA hat dem mit Hilfe synthetischer Biologie (Synbio) hergestellten Süßstoff EverSweet des Agrarkonzerns Cargill eine Unbedenklichkeitsbescheinigung (GRAS) ausgestellt. Zusatzstoffe mit GRAS-Einstufung (generally recognized as safe) dürfen ohne Auflagen und Mengenbegrenzung eingesetzt werden.

Cargill bezeichnet EverSweet als „Süßstoff der nächsten Generation“. Er besteht aus den Steviolglykosiden Reb M und Reb D. Die beiden Süßstoffe kommen in Stevia-Blättern nur in Spuren vor, schmecken besonders süß und das ohne den lakritzigen Nebengeschmack des Steviolglykosids Reb A, das mengenmäßig der wichtigste Süßstoff in Steviablättern ist.
Cargill lässt die in der Natur nur in geringsten Mengen vorkommenden Steviolglykoside Reb M und Reb D von gentechnisch manipulierten Hefen herstellen. Diese stammen von dem Unternehmen Evolva und enthalten synthetisch hergestellte DNA. Mit deren Hilfe produziert die Hefe Enzyme, die Reb A in die beiden anderen Rebaudioside umwandeln. Evolva hat sich das Verfahren auch in Europa patentieren lassen. Das Unternehmen gilt als eines der wichtigsten bei der Anwendung von Verfahren, mit denen Erbgut im Labor neu geschrieben und dann synthetisch hergestellt wird (Genome Editing). So können Evolva-Hefen auch den Geschmacksstoff Vanillin herstellen, ein Saffran-Aroma oder den sekundären Pflanzenstoff Resveratrol.

Der Nachrichtendienst GMWatch erinnerte in diesem Zusammenhang an den Zusatzstoff L-Tryptophan, der in den 80er-Jahren als eine der ersten mit Hilfe gentechnisch manipulierter Mikroorganismen hergestellten Substanzen aus den Markt kam. Ein kleiner Teil der Produktion war mit einem neuartigen Toxin verunreinigt. 37 Menschen starben, über 1500 trugen bleibende Schäden davon, schreibt GMWatch. Dennoch würde dieser Stoff nach den heutigen Maßstäben des US-Rechts eine GRAS-Bescheinigung erhalten.