EFSA: Risiken und Nebenwirkungen bleiben ausgeblendet

Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA kann die Risiken bei der Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen für den Import und deren Verwendung in Lebens- und Futtermitteln derzeit nur mangelhaft abschätzen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Organisation Testbiotech. Er listet auch auf, welche Änderungen notwendig wären, um die Standards für die Risikoprüfung deutlich anzuheben.

In der EU sind derzeit 55 gentechnisch veränderte Pflanzen zugelassen: Eine für den Anbau (MON 810), alle anderen für den Import und zur Verwendung als Lebens- und Futtermittel. Sie müssen eine Risikoprüfung durchlaufen, deren Kriterien die EU in einer Verordnung (503/2013) festgelegt hat. Darunter ist die Vorgabe, dass die zu prüfende Pflanze 90 Tage lang an Ratten verfüttert werden muss. Weitere Kriterien hat die EFSA in zwei Leitlinien 2010 und 2011 niedergeschrieben. Dennoch „ist die derzeitige Praxis der EFSA viel eher eine Art schneller Check-up als eine vollständige und verlässliche Risikoprüfung“, schreibt Testbiotech.

Um das zu ändern, fordert Testbiotech, die Risikoprüfung um zusätzliche Untersuchungsmethoden, Stoffgruppen und Pflanzencharakteristika auszuweiten. Einbezogen werden müssten zudem Prüfungen der Auswirkungen auf das Immunsystem und die Fortpflanzung. Auch müssten die Tests Langzeiteffekte und akkumulierte Wirkungen berücksichtigen. In kontrollierten Stresstests sollte die genetische Stabilität der Pflanzen geprüft werden. Auch müssten die Rückstände der Spritzmittel, gegen die diese Pflanzen resistent gemacht wurden, bewertet werden. Bei all den notwendigen Versuchen müssten unabhängige Dritte die Erhebung der Daten durch die Industrie kontrollieren.

Für rund 50 gentechnisch veränderte Pflanzen liegen Zulassungsanträge für den Import als Lebens- und Futtermittel vor. Eine verbesserte Risikoprüfung würde bedeuten, dass die Saatgutkonzerne länger auf eine Zulassung warten müssten. Doch die großen US-Agrarkonzerne wollen in ihren Silos nur noch gentechnisch veränderte Sorten annehmen, die in allen wichtigen Abnehmerstaaten zugelassen sind – auch in der EU. Die EU-Zulassung entscheidet künftig also darüber, ob neue Gentech-Pflanzen von Monsanto, Bayer & Co in den USA auf den Acker kommen. Deshalb kämpft die Gentechnik-Industrie dafür, die Standards für eine Risikobewertung zu senken. Sie würde gerne die verpflichtenden Futterstudien wieder aus den EU-Vorgaben entfernen, berichtet Testbiotech.