Verunreinigung: Wer passt auf den Gentech-Raps auf?

Im vergangenen Herbst wurde in acht deutschen Bundesländern im Rahmen von Züchtungsversuchen Raps ausgesät, der mit genmanipuliertem Saatgut verunreinigt war. Alle Pflanzen auf den kleinen Parzellen wurden vernichtet. Doch was ist mit Saatgut, dass im Herbst nicht aufgeht und weiter im Boden schlummert? Immerhin bleiben Rapssamen 20 Jahre lang keimfähig.

„So lange besteht also mindestens das Risiko, dass vereinzelt gentechnisch veränderter Raps auf den verunreinigten Flächen keimt. Daher müssen die Bundesländer die betroffenen Flächen über 20 Jahre hinweg überwachen und auflaufenden Durchwuchsraps vernichten“, fordert Annemarie Volling, Gentechnik-Expertin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Zusammen mit dem Gen-ethischen Netzwerk (GeN) und der IG Saatgut hatte die AbL die acht zuständigen Länderministerien abgefragt, wie sie denn die Flächen überwacht wollen. „Die Aussagen zum Nachfolge-Monitoring der betroffenen Flächen sind nicht zufrieden stellend“, schreiben die drei Organisationen: „Durchwuchskontrollen sollen im Frühjahr 2016 stattfinden. Danach soll meist von Fall zu Fall entschieden werden, ob die Flächen weiter überwacht werden.“ Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern hätten erklärt, dass sie fünf Jahre nachkontrollieren wollen. Christof Potthof von GeN forderte die zuständigen Länderminister auf, die flurstücksgenauen Daten zu den betroffenen Flächen zu veröffentlichen. So könnten sich benachbarte Züchter, Saatguterzeuger, Landwirte, Gärtner und Imker vor Verunreinigung schützen.

Der verunreinigte Raps wurde damals auch in England, Frankreich, Ungarn, Polen, Rumänien, Dänemark und der Tschechischen Republik ausgesät. Die Verunreinigung mit dem Gentech-Raps OXY-235 von Bayer geht vermutlich auf Feldversuche in den Jahren 1995 und 1996 in Frankreich zurück. Die Ende der 90-er Jahre vermarktete Sorte durfte nur in Kanada und Japan angebaut werden und ist längst nicht mehr auf dem Markt.