Ukraine: Illegaler Anbau von gv-Soja weit verbreitet

Die Ukraine ist das mengenmäßig wichtigste europäische Anbaugebiet für Sojabohnen. Rund vier Millionen Tonnen ernteten die ukrainischen Farmen 2015. Offiziell gelten sie als gentechnikfrei, weil der Anbau von gentechnisch veränderten (gv) Sojabohnen strikt verboten ist. Doch nach Angabe des US-Agrarministeriums USDA wachsen auf 80 Prozent der Felder gv-Bohnen. Dabei beruft sich das USDA in seiner aktuellen Ernteschätzung auf die Schätzungen privater Testlabore.

Auch der Verein Donau-Soja, der sich für den Anbau gentechnikfreier Soja in Südost- und Osteuropa einsetzt, sieht für die Ukraine noch große Herausforderungen im Bereich der Gentechnikfreiheit: „Aufgrund von GVO-verunreinigtem Saatgut, mangelnden technischen Voraussetzungen zur Vermeidung von GVO–Verunreinigungen und noch fehlender Nachfrage nach garantiert GVO-freien Produkten müssen große Anstrengungen unternommen werden, um dem gesetzlichen Anspruch der Ukraine als gentechnikfreiem Land Genüge zu tun“, schrieb Donau Soja letztes Jahr anlässlich des Beitritts der Ukraine zum Verein.
Das bundeseigene Thünen-Institut schreibt in einer aktuellen Mengenabschätzung für gentechnikfreies Soja: „Während für die Ukraine eine Quote von 70 % für illegal angebautes Soja angenommen wurde, ist bekannt, dass in China ebenfalls gv Soja angebaut wird. Allerdings wurde hier keine GVO-Anbauquote berücksichtigt.“

Der illegale großflächige Anbau von gv-Soja in der Ukraine bedeutet auch ein Verunreinigungsrisiko für Bio-Soja aus der Ukraine. Die größten Mengen gehen in die USA, weil die Bio-Tiermäster dort kaum Biosoja ohne Verunreinigungen zur Verfügung haben. Doch auch die deutschen Importe aus der Ukraine dürften zunehmen.