Die EU-Kommission hat den Streit um Glyphosat bis Ende 2017 verlängert

Die EU-Kommission hat die auslaufende Zulassung für den Wirkstoff Glyphosat noch einmal um bis zu 18 Monate verlängert. Die Frist soll der Europäischen Chemikalienbehörde ECHA die Möglichkeit geben, ihre eigene Bewertung des Herbizidwirkstoffes fertigzustellen. Anschließend will die Kommission das Verfahren für die erneute Zulassung von Glyphosat wieder aufnehmen.

Die Entscheidung wurde von Bio- und Umweltverbänden ebenso kritisiert wie von den Pestizidherstellern. Die EU-Kommission torpediere mit der Zulassungsverlängerung den notwendigen Umbau der Landwirtschaft Richtung Nachhaltigkeit, kommentierte der Bio-Dachverband BÖLW. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) sagte: „Diese Glyphosat-Entscheidung ist ein Affront gegen viele überzeugte Europäer.“ Trotzdem sieht sich der Verband als Sieger, weil die ursprünglich geplante Wiederzulassung auf 15 Jahre verhindert worden sei: „Anderthalb statt 15 Jahre sind ein Riesenerfolg.“ Für die Pestizidhersteller in der Arbeitsgemeinschaft Glyphosat stellt die vorerst nicht erreichte Neuzulassung dagegen „einen höchst unerfreulichen Präzedenzfall in der EU-Wirkstoffzulassung dar.“

Die EU-Kommission kritisierte in ihrer Erläuterung zur Entscheidung die Mitgliedstaaten scharf, weil sie keine Verantwortung übernommen hätten. Sie empfahl ihnen, die in manchen glyphosathaltigen Herbiziden als Zusatzstoffe verwendeten POE-Tallowamine zu verbieten sowie die Anwendung von Glyphosat in öffentlichen Anlagen und zur Reifebeschleunigung kurz vor der Ernte zu minimieren. „Wir weisen darauf hin, dass es in erster Linie in der Verantwortung der Mitgliedstaaten liegt, über diese Maßnahmen zu entscheiden und sie umzusetzen“ schrieb die Kommission.

Der Entwurf für das ECHA-Gutachten, auf das die Kommission warten will, liegt schon seit Wochen vor und befindet sich noch bis 8. Juli im Konsultationsverfahren. Verfasst hat ihn die deutsche Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Sie schlägt für Glyphosat lediglich den zusätzlichen Warnhinweis H373 vor: „Kann die Organe schädigen bei längerer oder wiederholter Exposition (bei längerem oder wiederholtem Einatmen/Hautkontakt/Verschlucken)“. Ausführlich begründet die BAuA, warum der Warnhinweis H351 „Kann vermutlich Krebs erzeugen“, nicht in Frage kommt. Dabei wiederholt sie allerdings lediglich die Auffassung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Die Kommission hofft, dass sich mit der neuen Studie in der öffentlichen Wahrnehmung etwas ändern könnte und der Widerstand gegen Glyphosat mit der Zeit erlahmt. Doch danach sieht es im Moment nicht aus: Glyphosat wurde in Honig gefunden. Die Kampagne der Onlineaktivisten von Campact finden weiter Zulauf, bisher haben dort 610.000 Menschen unterschrieben. Und der Bio-Filialist Basic startet zusammen mit der Bürgerinitiative Landwende nach der Urinale eine neue Aktion gegen Ackergifte.