EU-Kommission lässt die Einfuhr umstrittener Gentech-Sojabohnen zu

Die EU-Kommission hat letzten Freitag drei umstrittene gentechnisch veränderte Sojabohnen für den Import als Futter- und Lebensmittel zugelassen. Zuvor gab es unter den Mitgliedstaaten keine qualifizierte Mehrheit für die Sorten MON 87708 x MON 89788, MON 87705 x MON 89788 and FG 72 von Bayer. Auch das EU-Parlament hatte sich gegen eine Zulassung ausgesprochen. Für Monsanto und Bayer ist die Entscheidung der Kommission wichtig, da große US-Agrarkonzerne einem Anbau in den USA erst dann zustimmen, wenn die Ausfuhr der neuen Sorten in die Exportländer gesichert ist.

Die Sorte MON 87708 x MON 89788 ist gegen zwei Herbizide resistent, Glyphosat und Dicamba. FG 72 verträgt neben Glyphosat den neuen Bayer-Wirkstoff Isoxaflutol. Diese Doppelpack-Bohnen wollen die Konzerne den Farmern verkaufen, die gegen glyphosatresistentes Unkraut kämpfen. Das Problem ist, dass die Bohnen dann die Rückstände von zwei problematischen Spritzmitteln enthalten. Nach einem von der Organisation Testbiotech veröffentlichten Gutachten weisen Rückstände aus den kombinierten Anwendungen dieser Spritzmittel ein höheres Risiko auf, das Erbgut zu verändern und Vergiftungen der Leber sowie Tumore auszulösen, als die einzelnen Ausgangsstoffe. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat solche Kombinationswirkungen nicht untersucht und auch keine Fütterungsstudien durchgeführt. Dennoch erteilte sie den Sorten einen Persilschein, auf den sich jetzt die Kommission bei der Zulassung berief.
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„Diese Zulassung wirkt wie eine Generalprobe für TTIP und CETA. In Brüssel regiert die Gentechnik-Industrie offensichtlich schon jetzt mit“, kommentierte Christoph Then von Testbiotech. „Die EU-Kommission riskiert ihre Glaubwürdigkeit für die Interessen von Monsanto und Bayer. Angeblich wurde die Zulassung der Soja bereits vor Wochen im Rahmen der Freihandelsgespräche zugesagt.“ Testbiotech will jetzt rechtliche Schritte gegen die Entscheidung der EU-Kommission prüfen.