EFSA: Ein Experte warnt vor Allergierisiken

Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat Ende August ihre Stellungnahme zu einem neuen Gentech-Mais von Syngenta veröffentlicht. Einer der EFSA-Experten wollte sich dem Persilschein nicht anschließen. Er monierte fehlende Daten und fürchtet „unkontrollierbare Gesundheitsrisiken für bestimmte Teile der Bevölkerung.“

Die EFSA-Stellungnahme betrifft den Syngenta-Mais Bt11 × 59122 × MIR604 × 1507 × GA21. Er ist ein so genannter stacked event, eine Kreuzung verschiedener genmanipulierter Maissorten mit insgesamt fünf verschiedenen Erbgut-Änderungen. Eingeschlossen in die Stellungnahme sind auch 20 andere Kombinationen aus mehreren dieser Maissorten. Die EFSA-Gentechnikexperten machen es sich bei solchen stacked events sehr einfach. Sie prüfen nur nach, ob bei den einzelnen Ausgangssorten ein Risiko vorliegt und übertragen das Ergebnis auf die neuen Kreuzungen. Da die Ausgangssorten alle einst das Plazet der EFSA bekommen haben, werden Kreuzungen daraus im Prinzip durchgewunken, ohne dass die Konzerne neue Untersuchungen zu Gesundheitsrisiken vorlegen müssen.

Diese Praxis hat der Allergologe Jean-Michel Wal in seinem Minderheitenvotum in bezug auf die mit-genehmigten 20 Kombinationen massiv kritisiert. Es könne nicht angehen, dass hier eine Risikoabschätzung vorgenommen werde, für die keinerlei Daten vorliegen und die nur auf Annahmen und indirekten Betrachtungen der Experten beruhe. Wal gilt laut Testbiotech als industrienahe, da er für das von Lebensmittelindustrie und Agrochemie finanzierte Institut ILSI tätig war. Der Infodienst GMWatch schreibt mit Verweis auf einen Bericht des Fachdienstes EU Food Policy, das ursprünglich zwei Experten das Minderheitsvotum abgeben wollten, einer aber zurückgezogen habe. Durch das Minderheitenvotum könnte die EU-Politik bezüglich gentechnisch veränderter Organismen in neue Turbulenzen geraten, kommentierte EU Food Policy. Denn nun könnten sich die Mitgliedsstaaten und NGOs, die stacked events kritisch gegenüberstehen, auf einen EFSA-Experten berufen.