Den Haag: Monsanto auf der Anklagebank

In der niederländischen Stadt Den Haag fand am vergangenen Wochenende die öffentliche Anhörung für das Internationale Monsanto Tribunal statt. Fünf renommierte internationale Juristen befragten dabei als Richter insgesamt 30 Zeugen. Darunter waren Bauern, Imker, Anwälte, Gesundheitsexperten und Wissenschaftler aus Nord- und Südamerika, Europa, Asien und Afrika. Sie berichteten von den Schäden, die der Chemie- und Saatgutkonzern Monsanto mit seiner Politik und seinen Produkten bisher anrichtete. Ihre Berichte sind auf der Tribunalwebseite dokumentiert. Der Konzern selbst weigerte sich, teilzunehmen und seine Argumente vorzutragen.

Die Liste von Verbrechen, die Monsanto angelastet wurden, ist lang. Der Konzern produzierte die schädliche Chemikalie PCB und auch das dioxinverseuchte Herbizid 2,4,5-T-Säure, das als Bestandteil von Agent Orange im Vietnamkrieg eingesetzt wurde, Tausende Menschen tötete und heute noch Geburtsschäden und Krebs verursacht. Ebenfalls auf der Liste: das Pestizid Round-up mit dem Wirkstoff Glyphosat und das dazugehörige genmanipulierte Saatgut. Die Selbstmorde indischer Bauern nach Missernten mit gentechnisch veränderter Baumwolle wurden ebenso angeklagt wie die Patentprozesse, mit denen Monsato amerikanische Bauern in den Ruin trieb. Bei dem Tribunal stand jedoch nicht nur Monsanto, sondern das gesamte agroindustrielle System im Fokus – und damit auch die Menschrechte auf Zugang zu sauberem Wasser und gesunder Ernährung, die durch dieses System zunehmend in Frage gestellt werden.

Die fünf Juristen werden ihren Bericht und damit ihre richterliche Entscheidung bis zum 10. Dezember vorlegen, dem Internationalen Tag der Menschenrechte. Direkte Folgen für Monsanto oder dessen Käufer, den Bayer-Konzern – wird das Urteil des Tribunals nicht haben. Schließlich war es eine symbolische Veranstaltung – bewusst in Den Haag, weil dort der Internationalen Strafgerichtshof sitzt. Bisher müssen sich dort nur Politiker oder Generäle für Verbrechen wie Völkermord verantworten. Nach Auffassung der Organisationen, die das Monsanto Tribunal veranstaltet haben, sollten auch internationale Konzerne für die oft tödlichen Auswirkungen ihrer Produkte und ihrer Geschäftspolitik dort zur Verantwortung gezogen werden.