Glyphosat-Studien: EFSA rückt die Daten raus

Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA hat die Rohdaten freigegeben, die bei der EU-Sicherheitsbewertung des Pestizids Glyphosat verwendet wurden. Die Informationen übermittelte die Behörde an eine Gruppe von Abgeordneten des Europäischen Parlaments, die einen offiziellen Antrag auf Einsicht in die Daten gestellt hatte.

Die EFSA ließ erklären, sie bekenne sich „nachdrücklich zur Offenheit bei ihren Risikobewertungen und begrüßt diese Gelegenheit, die Transparenz der Glyphosat-Bewertung zu erhöhen.“ Tatsächlich hat die Behörde sich jahrelang geweigert, die ihr vorliegenden und nie publizierten Industriestudien zu veröffentlichen. Erst musste der Europäische Gerichtshof in einem aufsehenerregenden Urteil klarstellen, dass EU-Bürger ein Recht haben, Unterlagen für die Risikobewertung von Pestiziden einzusehen.

Versteckt hatten sich die EFSA und die EU-Kommission dabei hinter der Pestizidherstellern, die eine Veröffentlichung der Studien mit dem Hinweis auf vertrauliche Daten und Geschäftsgeheimnisse ablehnten. Anstatt Fakten zu schaffen, hatte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis noch im April 2016 in einem freundlichen Brief versucht, den Herstellerverband Glyphosat Task Force zu überzeugen: „Ich glaube, dass eine proaktive Veröffentlichung aller Studien inklusive der zugrundeliegenden Rohdaten durch die Glyphosate Task Force nützlich für die gesamte Gesellschaft wäre und den weiteren Diskussions- und Entscheidungsprozess erleichtern würde“, schrieb der Kommissar. Die Hersteller boten damals an, einen Leseraum einzurichten, in dem Abgeordnete die Daten einsehen könnten.

Eine unabhängige Bewertung der nun vorgelegten Rohdaten der Industriestudien ist deshalb besonders wichtig, weil die europäische Chemiebehörde ECHA derzeit an einer Neubewertung von Glyphosat arbeitet und der zugrundeliegende Bericht der deutschen Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zum Thema Krebsrisiko lediglich den bisherigen Standpunkt des für die Risikobewertung federführenden Bundesinstituts für Risikobewertung wiederholt.

 

 

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