Schrumpfende Bedeutung: Der FAO Report zur Zukunft der Ernährung erwähnt Agro-Gentechnik nur in einem Absatz

Hat die Welternährungsorganisation FAO ihren Kurs geändert und unterstützt plötzlich die Agro-Gentechnik? Diesen Eindruck erweckt eine Meldung auf der Webseite des Zentralverbandes der Deutschen Schweineproduktion (ZDS) über den neuesten Bericht der FAO zur Zukunft der Ernährung.

Tatsächlich befasst sich der 180-Seiten-Bericht der FAO gerade einmal in einem Absatz im Kapitel Produktivität und Innovationen (Seite 53) mit Agro-Gentechnik. Die FAO beschränkt sich dabei auf die Feststellung, dass die Debatte um die Agro-Gentechnik die Erfolge anderer biotechnologischer Methoden überschattet habe. Dabei bezieht sie sich nicht auf neue gentechische Verfahren wie CRISPR/Cas, sondern erwähnt als Beispiel die nur im Reagenzglas mögliche Kreuzung von afrikanischem und asiatischem Reis in den 90er Jahren (Nerica, New Rice for Africa) oder die Entwicklung mehrjähriger Reispflanzen in China.

In dem Absatz über Agro-Gentechnik gibt die FAO lediglich eine Kurzform ihrer bekannten Position wieder: „Es wird behauptet, das gentechnische Veränderungen unter bestimmten Umständen helfen können, Erträge und Produktivität zu steigern. Jedoch wecken gentechnisch veränderte Organismen auch Befürchtungen über mögliche Risiken für die menschliche und tierische Gesundheit sowie die Umwelt. Mögliche Risiken und Chancen müssen sorgfältig für jeden einzelnen Fall abgewogen werden.“

Als Beleg für den behaupteten Nutzen verweist sie auf eine bekannte Übersichtsarbeit des Göttinger Agrarökonomen Matin Qaim aus dem Jahr 2014 und gibt lediglich dessen Ergebnisse in einer Fußnote wieder. Der ZDS allerdings stellt es so dar, als würde die FAO die von Qaim behaupteten Einsparungen an Pestiziden, an Ernte- und Einkommenssteigerungen, als ihre Position vertreten.

Was der ZDS nicht erwähnt, ist die große Herausforderung, die die FAO in ihrer Kurzfassung des Reports hervorhebt: „Ressourcenintensive landwirtschaftliche Systeme mit hohem Input haben massive Waldzerstörungen, Wasserknappheit, Bodenverarmung und ein hohes Niveau an klimaschädlichen Emissionen verursacht und liefern keine nachhaltig erzeugten Lebensmittel.“ Notwendig seien innovative Systeme, die die natürlich Ressourcen schützen, dennoch die Produktivität steigern und dabei traditionelles Wissen mit einbinden.