Gerichtsakten zeigen: So beeinflusste Monsanto die US-Umweltbehörde

Im letzten Herbst kam die US-Umweltbehörde EPA zu dem Schluss, dass das von Monsanto entwickelte Herbizid Glyphosat nicht krebserregend sei. Unterlagen, die ein kalifornisches Gericht freigab, belegen, dass der für den Bericht maßgebliche Mitarbeiter ein Maulwurf des Konzerns war. Die Bürgerrechtsorganisation US Right to Know hat die Daten veröffentlicht und sie ausgewertet.

Es handelt sich bei dem Mitarbeiter um Jess Rowland, der bis zu seinem Ruhestand im April 2016 in der für Pestizide zuständigen Abteilung der EPA arbeitete. Er erstellte auch federführend den EPA-Bericht, der Glyphosat vom Krebsverdacht freisprach. Die Gerichtsakten enthalten zahlreiche interne Mails von Monsanto. Eine davon belegt, wie Rowland Monsanto versprach, eine Glyphosat-Untersuchung des US-Gesundheitsministeriums zu verhindern. Wenn er das schaffe, habe er sich eine Medaille verdient, brüstet sich Rowland in der Mail. Er war erfogreich, die Untersuchung fand nicht statt.

In den internen Mails unterhalten sich Monsanto-Manager darüber, Wissenschaftler für Studien zu bezahlen, die die Sicherheit von Glyphosat belegen sollten. Sie diskutieren auch, einen Wissenschaftler zu ersetzen, der dabei Skrupel bekommen hatte. In einer anderen Mail schlägt ein Monsanto-Manager vor, Wissenschaftler dafür zu bezahlen, dass sie Monsanto-Studien als eigene Arbeiten ausgeben und veröffentlichen. Dabei verweist er auf einen früheren Fall, wo man so vorgegangen sei.

Inzwischen bekommt die Pestizid-Abteilung der EPA Gegenwind aus der Behörde selbst. Der wissenschaftliche Beirat, der den Glyphosat-Bericht der Behörde begutachtete, kam zu dem Schluss, dass die zuständige EPA-Abteilung ihre eigenen Richtlinien nicht eingehalten habe. Ein Teil des Beirats war der Auffassung, dass anhand der vorliegenden Studien Glyphosat sehr wohl als vermutlich krebserregend eingestuft werden sollte.

Monsanto wies auf Nachfrage von US-Medien sämtliche Vorwürfe zurück und betonte man sei ein seriöses Unternehmen. Ob das der US-Richter, der die Unterlagen veröffentlichte, ebenso sieht, darf bezweifelt werden. Er verhandelt die Klagen von 55 Betroffenen, die an Lymphdrüsenkrebs erkrankten oder Angehörige durch diesen Krebs verloren haben. Sie führen die Erkrankung auf die Anwendung von Glyphosat zurück und werfen Monsanto vor, das Risiko verschwiegen zu haben.