Gentech-Mais: Anbauzulassung droht – aber keine Gefahr

Die EU-Kommission wird voraussichtlich bald die drei genamnipulierten Maislinien MON810, Bt11 und 1507 für den Anbau in der EU zulassen. Die Mitgliedsstaaten kamen in zwei Abstimmungen nicht auf die erforderliche qualifizierte Mehrheit, die notwendig gewesen wäre, um den Zulassungsvorschlag der Kommission zu versenken. Viel ändern dürfte sich durch die nun drohende Zulassung jedoch nicht.

17 EU-Staaten, darunter Deutschland, und vier Regionen haben den Anbau dieser drei und einiger weiterer Maissorten vor zwei Jahren verboten – und diese Verbote bleiben in Kraft. Von den drei Maissorten wird nur MON810 derzeit in Spanien in größeren Mengen angebaut, ein paar Felder gibt es auch noch in Protugal, Tschechien und der Slowakei. Wird MON810 erneut zugelassen, können diese Landwirte ihn weiterhin anbauen. Die Statistik des Portals Transgen zeigt jedoch, dass das Interesse an MON810 EU-weit abnimmt und nur noch die spanischen Maisbauern daran festhalten.

Bt11 und 1507 sind Uralt-Sorten, die weder für die Saatgutkonzerne noch für die Landwirte interessant sind. Sie sind gegen das Bayer-Herbizid Glufosinat resistent. Es gilt als fortpflanzungsschädigend, darf in der EU deshalb seit 2013 nur noch beschränkt eingesetzt werden, und in diesem Jahr läuft die Zulassung ganz aus.

Die Abstimmung der Mitgliedsstaaten hätte jedoch die Möglichkeit geboten, die Zulassungsanträge endgültig abzulehnen. Gescheitert ist dies auch an der Enthaltung Deutschlands. Felix zu Löwenstein, der Vorsitzende des Bio-Dachverbandes BÖLW, kritisierte den dafür verantwortlichen Landwirtschaftsminister Christian Schmidt als Risiko für die gentechnikfreie Landwirtschaft: „Jeder Anbau von Gentechnik-Pflanzen irgendwo in Europa erhöht die Gefahr von Kontaminationen. Das bedeutet hohe wirtschaftliche Risiken für gentechnikfreie Bauern und Lebensmittelproduzenten. Diese Risiken hätte der verantwortliche Minister Schmidt mit einem Nein ausgeschaltet.“