Bundesregierung fördert neue gentechnische Züchtungsverfahren

Das Bundesforschungsministerium (BMBF) will in den nächsten zwei Jahren neue gentechnische Züchtungsverfahren mit sechs Millionen Euro fördern. Im Rahmen der Förderinitiative Nutzpflanzen der Zukunft sollen „insbesondere die unter dem Begriff Genome Editing zusammengefassten Technologien unterstützt werden“, teilte das BMBF mit. Im Fokus stehe hierbei das CRISPR-Cas-Verfahren. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka schwärmte bei der Vorstellung ihres Programms von robusten Pflanzen, die auf kargen, trockenen und versalzten Böden wachsen, widerstandsfähig gegen Schädlinge sein und weniger Dünger zum Wachstum benötigen sollten. Über mögliche Risiken dieser gentechnischen Verfahren verlor sie kein Wort.

Nachlesen könnte die Ministerin die mit CRISPR-Cas und Genome Editing verbunden Probleme in einem aktuellen Bericht der Organisation Testbiotech. Darin warnt Autor Christoph Then, dass die neuen Techniken nicht so präzise seien, wie ihre Befürworter gerne behaupten. Sie seien sehr fehleranfällig, wodurch es auch zu ungewollten DNA-Veränderungen im Erbgut kommen könne. „In der Folge könnten die Pflanzen beispielsweise mehr Allergene produzieren, anfälliger für Pflanzenkrankheiten werden oder sich rascher in der Umwelt ausbreiten“, schreibt Then.

Der Bio-Dachverband BÖLW fordert deshalb für Pflanzen und Tiere, die durch solche Verfahren erzeugt werden, „eine gründliche Risikobewertung für Gesundheit und Umwelt, bevor diese Organismen in die Umwelt freigesetzt werden oder in die Lebensmittelkette gelangen können.“ BÖLW-Geschäftsführer Peter Röhrig mahnt „eine breite gesellschaftliche Diskussion über Chancen und Risiken“ an, die sich nicht allein an Heilsversprechen orientieren dürfe. Diskutiert werden müsse bei CRISPR & Co auch über Eigentumsrechte und Patentierung. „Denn obwohl der rechtliche Status der neuartigen Techniken nicht geklärt ist, melden Unternehmen bereits fleißig Patente an.“

Jede Freisetzung der neuartigen Gentechnik-Pflanzen oder -Tiere müsse bis zu einer verbindlichen Entscheidung auf EU-Ebene vorsorglich wie Gentechnik behandelt werden. Dies müsse die Bundesregierung sicherstellen, schreibt Röhrig in seinem Statement zu einer Dialogveranstaltung des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Er spielt damit auf Befürchtungen an, dass das Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit im Alleingang und unter Umgehung des Gentechnikrechts die Freisetzung solcher Organismen erlauben könnte.