CRISPR-Cas: Die Gen-Schere schneidet ungenau

Wissenschaftler der US-Universitäten Stanford, Iowa und Columbia berichteten in der Fachzeitschrift Nature Methods, dass das neue gentechnische Verfahren CRISPR-Cas das Erbgut nicht so präzise ändert, wie oft behauptet wird. Die Forscher hatten bei blinden Mäusen mit Hilfe der Gen-Schere CRISPR-Cas das für die Blindheit verantwortliche Gen repariert – mit Erfolg, die Tiere sahen wieder. Anschließend untersuchten sie das gesamte Erbgut der behandelten Mäuse auf weitere Mutationen und fanden, „dass sich 1500 Erbgutbausteine geändert hatten und an mehr als 100 Stellen DNS fehlte oder eingefügt worden war“, berichtete der Berliner Tagesspiegel über die Arbeit. Die Änderungen fanden sich an völlig unerwarteten Stellen des Erbgutes und nicht dort, wo Computeralgorithmen sie am ehesten vermutet hätten.

Es brauche noch mehr Forschung über solche ungewollten Nebeneffekte, bevor CRISPR sicher benutzt werden könne, schrieben die Wissenschaftler (im Hinblick auf den Einsatz beim Menschen). Sie empfahlen ihren Kollegen, bei Anwendung der Technik das gesamte Erbgut nach ungewollten Veränderungen abzusuchen. Der Londoner Molekularbiologe Michael Antoniou forderte in einem Beitrag für das Infoportal GMWatch, dass die gesamten Gensequenzen des veränderten Organismus den Genehmigungsbehörden zur Verfügung gestellt werden müssten. Er wies darauf hin, dass einzelne ungewollte Änderungen etwa eine Enzym-Funktion stören und zu unvorhersehbaren biochemischen Neben-Reaktionen führen und so Nahrungsmittel-Pflanzen deutlich verändern könnten. Solche Auswirkungen könnten durch übliche Methoden wie die molekulare Profilierung nicht sicher festgestellt werden. Deshalb seien für mit neuartige Gentechniken wie CRISPR-Cas9 manipulierten Lebensmitteln Langzeit-Toxizitäts-Studien mit etablierten Tierversuchen notwendig.