Glyphosat-Bewertung: So tricksten die Behörden

Deutsche und europäische Behörden haben internationale Richtlinien und ihre eigenen Regel systematisch verletzt um das umstrittene Herbizid Glyphosat vom Krebsverdacht freisprechen zu können. Zu diesem Ergebnis kam der Toxikologe Peter Clausing in einer Studie, die vom Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN), dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und dem Umweltinstitut München unterstützt wurde.

Clausing analysierte, wie die Behörden die Tierstudien zur Krebsgefahr von Glyphosat bewertet hatten. Dabei kam er zu dem Schluss, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) die eindeutigen Belege für eine krebserregende Wirkung bei Tieren missachtet und beiseite geschoben hätten. Dadurch hätten die Behörden Richtlinien und Empfehlungen, die ihre Arbeit leiten sollen, grob verletzt. Laut Clausing belegen sieben der zwölf von den Behörden ausgewerteten Langzeitstudien Krebsbefunde. „Nach EU-Recht reichen zwei voneinander unabhängige Studien an Versuchstieren aus, um eine Substanz als krebserregend einzustufen. Eine Einstufung als ‚wahrscheinlich krebserregend‘ muss zu einem Verbot führen“, sagte Clausing. Heike Moldenhauer, die Glyphosatexpertin des BUND, folgerte daraus, dass die Bewertung des Herbizids politischen Vorgaben gefolgt sei und nicht wissenschaftlichen Fakten. „Offenbar ist Glyphosat ein systemrelevantes Herbizid und damit ‚too big to fail’“, sagte Moldenhauer.

Bereits Ende Mai hatte der US-Wisssenschaftler Christopher Portier den Behörden vorgeworfen, dass sie Krebseffekte in den Originalstudien der Glyphosathersteller übersehen hätten. Portier hatte durch einen Gerichtsbeschluss Zugang zu den nicht veröffentlichten Studien erhalten. Die Ergebnisse seiner Auswertung teilte er in einem Brief auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude-Juncker mit.

Dessen ungeachtet hat die Kommission nun ihren Vorschlag für eine erneute Zulassung von Glyphosat auf den Tisch gelegt: 10 weitere Jahre und so gut wie keine Auflagen und Einschränkungen. Am 19. und 20. Juli werden die EU-Mitgliedsstaaten erstmals darüber beraten. Endgültig abgestimmt wird dann im Herbst, voraussichtlich nach der Bundestagswahl. Derzeit müsste sich Deutschland der Stimme enthalten. Während sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt für Glyphosat stark machen, lehnt Umweltministerin Barbara Hendricks den EU-Vorschlag ab. Die Brüsseler Behörde ignoriere komplett die Schäden für die Tier- und Pflanzenwelt, sagte die SPD-Politikerin der Bild-Zeitung: „Deshalb bleibe ich bei meinem Nein“.

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