Testbiotech fragt: Sponserte Monsanto einen EFSA-Wissenschaftler?

Monsanto soll einen mit der Pestizidbewertung betraute EFSA-Mitarbeiter dafür bezahlt haben, dass er auf einer Toxikolgen-Tagung die Ungefährlichkeit von Glyphosat bekunden. Dies ergibt sich aus internen Firmenmails, die im Zuge einer Klage gegen Monsanto in Kalifornien veröffentlicht wurden. Die Organisation Testbiotech verlangte Aufklärung von der EFSA.

Nachdem im Frühjahr 2015 die Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation Glyphosat als möglicherweise krebserregend eingestuft hatte, startete Monanto eine groß angelegte Gegenkampagne. Über eine Agentur wurden nach außen hin unabhängige Wissenschaftler bezahlt, die diese Einstufung zurückwiesen. Zum Teil lieferte Monsanto als Ghostwriter Texte für solche Aufsätze.

Im Zuge dieser Kampagne nutzte Monsanto auch das jährliche Treffen der Society of Toxicology (SoT). Diese veranstaltete imMärz 2017 einen Workshop über Kontroversen in der toxikologischen Bewertung von Pestiziden. Zur krebserregenden Wirkung von Glyphosat wurden ein Pro und ein Contra-Referat gehalten. Für eine krebserregende Wirkung sprach Christopher Portier, der auch an der IARC-Bewertung beteiligt war. Die Position, dass Glyphosat nicht krebserregend sei, sollte Jose Tarazona, der Leiter der Pestizidabteilung der EFSA vertreten. Dieser EFSA-Auftritt wurde laut Programm (S.141) von Allister Vale gesponsert, einem führenden britischen Toxikologen, der auch den Workshop moderierte.

In den veröffentlichten Mails diskutierte Vale bereits im März 2016 mit dem Monsanto-Mitarbeiter Daniel Goldstein dessen Anliegen, mit medizinischen Toxikologen in Europa ins Gespräch zu kommen, um ihnen den Monsanto-Standpunkt nahezubringen. Vale sagte seine Unterstützung zu. Dabei entstand auch die Idee, im Rahmen der nächsten Jahrestagung der SoT eine Kontroversen-Diskussion zu veranstalten. In den Mails waren sich beide einig, dass weder Monsanto noch die Lobbyorganisation Glyphosat Consortium als Sponsoren dieses und andere Treffen auftauchen sollten. Goldstein schlug deshalb vor, es so zu machen wie in einem anderen Fall. Der britische Toxikologe Sir Colin Berry leitete für Monsanto längere Zeit eine Gruppe von Toxikologen, wobei der Konzern für anfallende Kosten aufkam. Berry und die von ihm geleitete Gruppe sollten laut den E-Mails wieder reaktiviert und durch Allister Vale unterstützt werden. Die Kosten würden von Monsanto beglichen und zwar auf einem Weg, der die akademische Unabhängigkeit bewahren solle, heißt es in einer Mail. Außerdem bot der Konzern den beiden Toxikolgen „logistische Unterstützung“ an, um deren Zeitaufwand für die Betreuung der Gruppe in Grenzen zu halten.

Aus dem Mailverkehr und der Nennung von Allister Vale als Sponsor des EFSA-Auftrittes auf der SOT-Konferenz folgert Testbiotech, dass die Gelder dafür tatsächlich aus Monsantos Kasse stammten. „Verdeckte Zahlungen an Wissenschaftler scheinen für Monsanto ein bewährtes Mittel zu sein, um wichtige Entscheidungen über ihre Produkte zu beeinflussen“, sagt Christoph Then von Testbiotech. „Bisher zeigen Behörden und Politik viel zu wenig Bereitschaft, dagegen vorzugehen. Wir wollen jetzt von der EFSA ganz genau wissen, wie und warum der Auftritt von Jose Tarazona gesponsert wurde.“ Ttasächlich aufgetreten auf der SOT-Konferenz sei dann übrigens nicht Tarazona selbst, sondern eine seiner Mitarbeiterinnen, stellte Testbioteh im Nachgang richtig. Die Frage danach, wer den Auftritt wie finanziert hat, bleibt davon unberührt.