Gutachten bestätigt Plagiatsvorwurf gegen Glyphosat-Bericht

Der anerkannte Plagiatprüfer Stefan Weber hat sich den Bewertungsbericht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zur weiteren Zulassung des Herbizids Glyphosat vorgenommen. Das Ergebnis seines Sachverständigengutachtens: Der Bericht erfülle in wesentlichen Teilen die „Kriterien eines Textplagiats“. Das BfR wies das Gutachten als „haltlose Vorwürfe“ zurück.

Der Österreicher Stefan Weber gilt als Experte in der deutschsprachigen Plagiatsforschung. Er hat in den letzten Jahren mehr als 800 wissenschaftliche Arbeiten untersucht und einhundert davon als Plagiate entlarvt. Im Auftrag der österreichischen Umweltorganisation Global 2000 hat er drei ausgewählte Kapitel des BfR-Berichts zu den gesundheitlichen Risiken von Glyphosat mit entsprechenden Passagen aus dem Zulassungsantrag der Glyphosat-Hersteller verglichen. „Über zahlreiche Seiten hinweg wurden Textpassagen praktisch wörtlich übernommen“, erklärte Plagiatsgutachter Weber. „Die systematische Unterlassung von Quellenangaben und das gezielte Entfernen von Hinweisen auf die tatsächlichen Verfasser der Texte lässt sich nur als bewusste Verschleierung ihrer Herkunft deuten.“ Es sei offensichtlich, dass das BfR keine eigenständige Bewertung der zitierten Studien vorgenommen habe.

Dem widersprach das BfR. Die Vorwürfe zeugten von Unkenntnis der gesetzlichen und international üblichen Verfahren. Das Übernehmen von Textteilen, die von den Antragstellern als Teil der gesetzlich geforderten Dossiers eingereicht werden müssten, sei ein „ allgemeine, national und international übliche und anerkannte Vorgehensweise, die nicht nur bei Pflanzenschutzmitteln sondern auch bei Arzneimitteln, Bioziden und Chemikalien etabliert ist.“ Auf den eigentlichen Plagiats-Vorwurf, diese Übernahme von Textteilen nicht kenntlich gemacht und teilweise sogar verschleiert zu haben, ging das BfR nicht ein.

„Wer abschreibt und sich dabei erwischen lässt, hat ein Glaubwürdigkeitsproblem“ kommentierte der Toxikologe und Vorstand des Pestizid Aktions-Netzwerks PAN Germany, Peter Clausing: „Verschärft wird dieses Problem, wenn es sich beim Abschreibenden um eine Behörde handelt, die das Gesundheitsrisiko für 500 Millionen Europäer zu bewerten hatte.“

Harald Ebner, Agrarexperte der Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen, hält durch das Gutachten für belegt: „Die Behörden haben ihren amtlichen Glyphosat-Persilschein zu großen Teilen einfach von Monsanto kopiert.“ Eine Glyphosat-Neuzulassung dürfe es auf Basis dieser Plagiats-Risikobewertung nicht mehr geben. Ebner forderte die EU-Kommission auf, ihren Zulassungs-Vorschlag einzukassieren.

In der vergangenen Woche haben die EU-Mitgliedsstaaten im zuständigen Ausschuss die Entcheidung über die Wiederzulassung von Glyphosat verschoben. Frankreich, Österreich, Luxemburg und Italien sperrten sich laut Agenturmeldungen gegen die geplante weitere Zulassung des Herbizids für zehn Jahre. Deutschland habe sich bisher nicht festgelegt. Die EU-Kommission argumentierte, dass die EU sich bei einer Nichtverlängerung der Zulassung gegenüber den Herstellern schadenersatzpflichtig machen könnte. Die nächste Ausschusssitzung ist für den 23. Oktober geplant. Für den 11. Oktober hat das Europäische Parlament eine gemeinsame Anhörung des Agrar- und Umweltausschusses zum Thema angesetzt. Zuvor hatte die EU-Kommission offiziell die Europäische Bürgerinitiative Stop Glyphosate für erfolgreich erklärt.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

7 + 6 =