Monsanto-Anhörung im Europaparlament: Die Zweifel wachsen

Agrar- und Umweltausschuss des Europaparlaments hatten gestern zu einer Anhörung über die „Monsanto Papers“ eingeladen. Die im Rahmen eines Prozesses in den USA veröffentlichten Papiere zeigen, wie der Gentechnik-Konzern versucht hat, die wissenschaftliche Diskussion über Glyphosat und die einschlägigen Bewertungen der Behörden zu beeinflussen.

In der Anhörung trafen die unterschiedlichen Positionen hart aufeinander. Der US-Wissenschaftler Christopher Portier und Kate Guyton von der Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitorganisation erläuterten ihre Schlussfolgerung, dass Glyphosat vermutlich krebserregend sei und griffen die Bewertung der EU-Behörden EFSA und ECHA an. Diese stützten sich auf Industriestudien und „bei finanziellen Interessen fehlt oft die Objektivität“, sagte Kate Guyton. Die Behördenvertreter wiesen die Vorwürfe zurück und verteidigten ihre Bewertung. Zwei wichtige Akteure jedoch fehlten: Monsanto und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung, das die Vorlage für die europäischen Behörden geschrieben hatte, hatten die Teilnahme verweigert.

Die Ausführungen der EU-Behörden scheinen zumindest einen Teil der Europaparlamentarier nicht überzeugt zu haben. Sozialistische Abgeordnete forderten einen Untersuchungsausschuss, die österreischische Umweltorganisation Global 2000 schloss sich dem an. Der CSU-Abgeordnete Albert Deß distanzierte sich gegenüber der Zeitung Welt ebenfalls von Glyphosat: „Als Landwirt möchte ich sagen, dass wir auf unserem Betrieb kein Glyphosat einsetzen und dafür auch keine Notwendigkeit besteht.“ Der grüne Abgeordnete Martin Häusling kommentierte: „Die angeblich unabhängigen europäischen Prüf- und Kontrollstellen für die Unbedenklichkeit von Chemikalien sind alles andere als unabhängig. Das hat die Anhörung erneut deutlich gezeigt.“ Er forderte die Kommission auf, das Zulassungsverfahren für Glyphosat neu aufzurollen.

Doch diese will das Thema vom Tisch haben. Bis 15. Dezember muss eine Entscheidung fallen, weil dann die bereits verlängerte alte Zulassung endgültig ausläuft. Die bisherigen Gespräche über die von der Kommission vorgeschlagene zehnjährige Neuzulassung zeigen, dass zumindest vier Staaten (Italien, Frankreich, Österreich, Luxemburg) fest entschlossen sind, eine weitere Zulassung abzulehnen und auch eine verkürzte Frist nicht akzeptieren würden. Mehrere andere sind noch unentschlossen. Die Kommission machte in ihrem Sachstandsbericht deutlich, dass sie ohne eine qualifizierte Mehrheit der Mitgliedsstaaten im Rücken die Zulassung nicht verlängern werde. Als möglichen Termin für eine endgültige Abstimmung nennt das Dokument den 6. November. Womöglich wird aber auch schon am 25. Oktober entschieden.

2 Gedanken zu „Monsanto-Anhörung im Europaparlament: Die Zweifel wachsen“

  1. Auch Deutschland muß endlich „Flagge“ zeigen, sich nicht immer von der Lobby leiten lassen, die Politiker müssen Rückgrat zeigen, sich endlich für das Wohl der Bürger einsetzen und eine weitere Zulassung derart fraglicher Produkte ablehnen. Glyphosat dürfte nicht nur evtl. krebserregend sein, ich mache derartige Produkte auch für das Bienensterben (Insektensterben allgemein) und auch das Vogelsterben verantwortlich. So wie das Institut für Risikobewertung derartige Produkte „bewertet/einschätzt“ ist wohl einmalig in der EU und ich kann bei den dortigen Verantwortlichen keine Fürsorge für uns Bürger, die Tiere und die Natur erkennen. Dieses Instutut sollte mal überprüft werden, inwieweit deren Gutachten überhaupt eine aussagefähige Grundlage haben und die dortigen sog. Gutachter überhaupt kompetent sind. Das fängt mit den sogenannten zulässigen Höchstgrenzen von Pestiziden an, deren Grenzen dann wohl einzeln eingehalten werden, bei dem einen oder anderen Produkt aber mehrere Pestizide vorhanden sind, die dann einen Pestizidcocktail darstellen, der in jedem Fall gesundheitsschädlich sein dürfte. Hier muß endlich gehandelt werden.

    1. Liebe Frau Pochmann,

      ich gebe Ihnen völlig Recht. Es ist eine Katastrophe wie mit der Natur, und im Endeffekt auch mit unseren
      Menschenleben, umgegangen wird. Vielleicht sollte sich die alte Regierung mal fragen, weshalb die Wahlen so negativ für die CDU/CSU und auch die SPD ausgefallen sind. Neben vielen anderen Gründen war es auch dieser Punkt.

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