Studie zeigt: Zusatzstoffe in Herbiziden sind giftiger als der Wirkstoff Glyphosat

Glyphosathaltige Pestizide sind giftiger als der isolierte Wirkstoff selbst. Das belegt einmal mehr eine Studie des französischen Wissenschaftlers Gilles-Eric Séralini. Er thematisiert auch den Schwermetallgehalt der verwendeten Pestizide. Für die Studie verglichen Seralini und sein Team reines Glyphosat, drei verschiedene glyphosathaltige Pestizide sowie einen wichtigen Zusatzstoff. Diese Polyoxyethylenamine (POEA) sorgen in den Pestiziden dafür, dass der Wirkstoff Glyphosat ins Innere der Blätter eindringen kann.

In einem ersten Versuch wurden Tomatenstauden mit den verschiedenen Flüssigkeiten eingesprüht. Dabei zeigte Glyphosat pur kaum eine herbizide Wirkung. Das scheint auf den ersten Blick verwunderlich und liegt daran, dass Glyphosat stark wasserlöslich ist. Es bleibt an der Oberfläche des Blattes und tropft ab oder trocknet ein. Um seine Wirkung zu entfalten, muss es mit Tensiden wie POEA vermischt werden, die es durch die Schutzschicht der Blätter ins Innere transportieren. Dem entsprechend zeigten die drei verschiedenen Pestizidformulierungen mit POEA die erwartete herbizide Wirkung. Noch stärker wirkte allerdings das nur als Zusatzstoff gedachte POEA in purer Form.

Auch in Toxizitätsversuchen mit menschlichen Zellen zeigte Glyphosat alleine die geringste Wirkung. Die fertigen Pestizide und der POEA-Zusatz waren deutlich giftiger, wobei die Wirkung laut Studie vor allem auf die Zusatzstoffe zurückging. Bei der Messung der hormonellen Aktivität zeigte sich die gleiche Reihung. Am wenigsten stark reagiert Glyphosat, dann kamen die Pestizide und die stärkste hormonelle Wirkung hatten die Zusatzstoffe.

Damit belegt die Studie, dass zelltoxische und hormonelle Wirkungen glyphosathaltiger Pestizide im wesentlichen auf deren Zusatzstoffe zurückzuführen sind. Relevant ist das für die anstehende Neuzulassung der fertigen Glyphosatpestizide durch die deutschen Behörden.

Eher kein Thema für die Behörden dürfte ein weiteres Ergebnis Séralinis sein: Er wies in den Pestiziden Verunreinigungen mit den Schwermetallen Arsen, Kobalt, Chrom, Nickel und Blei nach. Die Werte betrugen bis zu mehreren Hundert Mikrogramm je Kilogramm. Auch andere Pestizide ohne Glyphosat als Wirkstoff wiesen solche Schwermetallverunreinigungen auf, doch seien die Glyphosat-Herbizide am stärksten belastet gewesen, heißt es in der Studie. Sie liefert allerdings keine brauchbare Abschätzung, wie bedenklich diese Schwermetallkonzentrationen sind, wenn sie stark verdünnt als Pestizid auf den Acker ausgebracht werden. Der Hinweis, dass die gefundenen Konzentrationen etwa bei Arsen weit über den Grenzwerten der Trinkwasserverordnung liegen, hilft da nicht weiter. Aussagekräftiger sind die maximalen Schwermetallgehalte im Biokompost, der tonnenweise auf Äcker ausgebracht wird. Sie liegen für Blei bei 100 Milligramm je Kilogramm, also etwa um den Faktor 1000 höher als die von Séralini gefundene Belastung in Pestiziden.