USA: Neue Gentechnikverfahren außer Kontrolle

In den USA erhalten immer mehr Pflanzen, die mit Hilfe von Genome Editing – Methoden wie Crispr/Cas manipuliert wurden, einen Persilschein. Sie brauchen keine Zulassung als gentechnisch veränderter Organismus (GVO) und dürfen ohne Einschränkungen angebaut werden. Um einen solchen Persilschein zu bekommen, genügt es, wenn der Entwickler der Pflanzen zuständigen Behörde APHIS im US-Landwirtschaftsministerium darlegt, mit welchem Verfahren er welche Änderungen im Erbgut hervorgerufen hat. APHIS entscheidet dann nach Aktenlage binnen Wochen darüber, ob die Pflanze eine Zulassung braucht oder nicht.

59 solcher Anfragen sind inzwischen bei der Behörde eingegangen, die meisten der letzten zwei, drei Jahre betrafen durch Genome Editing veränderte Pflanzen. In den wenigsten Fällen bestand APHIs auf einer Zulassung nach dem US-Gentechnikrecht. Als erste CRISPR-Pflanze mit Freifahrtschein will das Unternehmen Calyxt nun eine Sojalinie auf den Markt bringen, deren Fett mehr Ölsäure enthält. Freigaben gibt es auch für pilzresistenten Mais, besser verdauliche Luzerne, Weizen mit Herbizidresistenz oder langsam wachsendes Gras. In all diesen Fällen sind weder Freilandversuche notwendig, noch Tests zur Verträglichkeit für Mensch oder Tier. „CRISPR-editierte Pflanzen erreichen in Rekordzeit den Markt“, schrieb im Januar die Fachzeitschrift Nature Biotechnology und zitierte den Geschäftsführer eines Unternehmens mit gentechnisch verändertem Leindotter: „Wäre unser Leindotter als gentechnisch verändert eingestuft worden, hätte das Zulassungsverfahren mindestens sechs Jahre gedauert und 30 bis 50 Millionen Dollar gekostet.“ So hätte sein Unternehmen nur zwei Jahre gebraucht, um die Anfrage vorzubereiten und bereits nach zwei Monaten hätte das Ministerium geantwortet.

Was das für Europa bedeutet, beschreibt die Pro-Gentechnik-Plattform Transgen so: In ein, zwei Jahren würden in den USA gen-editierte Sojabohnen, Mais, Weizen und Kartoffeln genau so eingesetzt wie konventionelle Pflanzen. Zufällige Beimischungen in Massenprodukten seien wahrscheinlich. „Die heute üblichen Importkontrollen auf Spuren von nicht in der EU zugelassenen gv-Pflanzen laufen bei genom-editierten Pflanzen ins Leere.“ Wenn Europa – anders als die USA – gen-editierte Pflanzen als Gentechnik einordne und nicht zugelassene Pflanzen außen vor halten wolle, sei die einzige Lösung, „den Agrarhandel mit den USA in bestimmten Sektoren vollständig einzustellen.“