Risikobewertung: Die Methoden stammen von der Industrie

Elf von zwölf Methoden, nach denen in der EU das Risiko von chemischen Substanzen oder gentechnisch veränderten Pflanzen abgeschätzt wird, wurden von der Industrie entwickelt oder zumindest unterstützt. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Pestizid Aktionsnetzwerks (PAN) Europa. Schon bisher gab es Kritik an einzelnen dieser Methoden und einzelne Beschreibungen der Verquickung von Industrielobbyisten und Behörden. Neu an dieser Studie ist die Bandbreite, in der sie diese Verquickung und ihre Auswirkungen aufzeigt.

Für die Studie hatte PAN zwölf Methoden oder Konzepte ausgesucht, die häufig in Risikoabschätzungen der EU-Lebensmittelbehörde EFSA oder von Gremien der Weltgesundheitsorganisation WHO erwähnt werden – meist um zu erklären, warum eine bestimmte Substanz keine Gefahr für den Mensch oder die Umwelt darstellt. In der Studie zeichnet PAN für jede der zwölf Methoden die Entstehungsgeschichte nach, beschreibt ihre aktuelle Anwendung und die Auswirkung auf Umwelt und Gesundheit. Zu diesen Methoden zählen etwa der Test auf Bienengefährlichkeit bei Pestiziden oder Erklärungen, warum bedenkliche Ergebnisse aus Tierversuchen nicht auf den Menschen übertragbar sind.

Die meisten dieser Methoden wurden von der Industrie selbst entwickelt, oft durch das industriefinanzierte Forschungsinstitut ILSI. In drei Viertel der untersuchten Fälle hätten Industrie-Experten die Gremien von Fachbehörden infiltriert und dort dafür gesorgt, dass die Methoden etabliert würden, schreibt PAN. Die Umweltorganisation wirft der WHO, der EU-Kommission und der EFSA vor, diese Unterwanderung durch die Industrie zu dulden und vorhandene Interessenskonflikte zu ignorieren. Die drei Organisationen sollten alle aktuellen Methoden zur Risikobewertung von unabhängigen Wissenschaftlern überprüfen lassen, fordert PAN. Die Wissenschaft, mit der diese Methoden begründet würden, sei einseitig und manipulativ.