Brasilianische Behörde will Gene Drives freigeben

Die brasilianische Biosicherheitskommission CTNBio will den Einsatz von Gene Drives in freier Natur zulassen. Das berichtete die kanadische Umweltorganisation ETC Group und berief sich dabei auf brasiliansiche Medien sowie Bauernorganisationen, die gegen das Vorhaben protestieren.

Gene Drives sind Manipulationen am Erbgut, durch die eine bestimmte, vorher gentechnisch eingebaute Eigenschaft, in Pflanzen oder Tieren dominant vererbt wird und sich dadurch besonders schnell in einer Population ausbreitet. CTNBio hat Mitte Januar eine Bekanntmachung veröffentlicht und darin sich selbst ermächtigt, neue gentechnische Verfahren wie CRISPR/Cas und Gene Drives von den Regelungen des brasilianischen Gentechnikrechts auszunehmen. Damit habe Brasilien als erstes Land der Welt eine legale Möglichkeit geschaffen, lebende Organismen mit Gene Drive in die Umwelt zu entlassen, kommentierte die ETC Group den Vorgang.

Dagegen protestieren Bauern- und Landlosenorganisationen, die laut ETC über eine Million Mitglieder repräsentieren. Ihrer Meinung nach begünstigt CTNBio mit der Bekanntmachung internationale Konzerne, die ihre neuen gentechnisch veränderten Pflanzen dadurch ohne Regulierung und Zulassung auf den Markt bringen könnten. Die Organisationen warnen in einer gemeinamen Resolution auch vor den ökologischen Risiken, die mit einer Freisetzung von Organismen mit Gene Drive verbunden seien.

João Pedro Stédile von der Landlosenbewegung MST sieht Brasilien in einer wirtschaftlichen und sozialen Krise. Internationale Konzerne hätten die Machtübernahme der derzeitigen Regierung unterstützt und diese ändere nun Gesetze und Verfassung zu deren Vorteil. „ Die Entscheidung von CTNBio ist illegal.“ Sie würde die Freisetzung neuen gentechnisch veränderten Saatguts und lebender Organismen erlauben, ohne die geringste Risikoabschätzung und Kontrolle. „Wir werden diesem Anschlag nicht tatenlos zusehen, sondern gegen diese Bekanntmachung kämpfen“ sagte João Pedro Stédile.

Die ETC Group zitiert auch einen früheren Mitarbeiter des brasilianischen Ministeriums für ländliche Entwiklung, der das Vorgehen der Kommission kritisiert. CTNBio habe nicht die Autorität und auch kein Mandat Dafür. Deren Entscheidung habe massive Auswirkungen auf Landwirte, Verbraucher und Brasiliens Artenvielfalt. „Aber sie wurde getroffen, ohne die Zivilgesellschaft und die Betroffenen anzuhören.“

Über Gene Drives in der Umwelt und ihre Risiken diskutieren auch die Vertragsstaaten der Konvention über die biologische Vielfalt (CBD). Die ETC Group zitiert dazu Marciano Toledo vom brasilianischen Kleinbauernverband MTA. Er wertet das Vorgehen von CTNBio als Versuch, diese Diskussion zu beeinflussen und ein Moratorium für Gene Drives, wie es zahlreiche Umwelt- und Bauernorganisationen fordern, zu verhindern.