Baysanto: EU-Kommission will die Fusion angeblich noch vor Ostern genehmigen

In den Wirtschaftsmedien mehren sich die Berichte darüber, dass die EU-Kommission noch vor Ostern die Übernahme von Monsanto durch Bayer mit Auflagen genehmigen wird. Dass eine Mehrheit der Bürger in der EU die Elefantenhochzeit ablehnt, interessiert dabei anscheinend nicht.

Spätestens bis 5. April will die EU-Kommission mitteilen, ob sie der Übernahme von Monsanto durch Bayer zustimmt. Zuletzt meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider, dass die Kommission kurz davor stehe, gegen Auflagen grünes Licht zu geben. Bereits im Oktober 2017 hatte Bayer erklärt, für 5,9 Milliarden Euro Teile der Geschäfts mit Saatgut und dem Herbizid Liberty (Wirkstoff Glufosinat) an den Mitbewerber BASF zu verkaufen. Nun soll Bayer nach Angaben des Dow Jones Newswires den Behörden auch den Verkauf seines restlichen Saatgutgeschäfts angeboten haben, das in den Niederlanden unter der Marke Nunhems angesiedelt ist. Auch hier gilt BASF als möglicher Käufer. Dem Mitbewerber will Bayer laut Reuters zudem eine exklusive Lizenz für seine Plattform mit digitalen Daten für die Landwirtschaft anbieten. Die Vorherrschaft von Baysanto im Bereich der Digitalisierung der Landwirtschaft war einer der wesentlichen Vorbehalte der EU-Kommission gegen die Fusion. Das Handelsblatt berichtet, dass sich die US-Kartellbehörden womöglich bereits mit den europäischen Kollegen abgesprochen haben und die Fusion ebenso in Kürze freigeben könnten.

Dabei lehnt eine Mehrheit der Menschen in der EU den Zusammenschluss der beiden Saatgut- und Pestizidkonzerne ab. Das ergab eine Umfrage des Instituts YouGov für den Umweltverband Friends of Earth Europe (FoE) in mehreren EU-Staaten. Von den 2040 befragten Deutschen hatten 53 Prozent „große“ bis „sehr schwerwiegende Bedenken“, gegen den Zusammenschluss. Ähnlich groß war die Ablehnung in den anderen untersuchten EU-Staaten Frankreich, Spanien, Dänemark und Großbritannien. Insgesamt äußerten 47 Prozent der Befragten starke Bedenken, während nur elf Prozent in dem Zusammenschluss ein positives Potential sahen. Der geplante Zusammenschluss habe „sehr wenig öffentliche Unterstützung“ fasste FoE-Campaigner Adrian Bebb die Ergebnisse zusammen.

„Die geplanten Abspaltungen und Zugeständnisse von Bayer reichen nicht aus, um einen wirksamen Wettbewerb sicher zu stellen“, kommentierte Martin Schulz, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) die Entwicklung. Nach der Fusion würde Bayer-Monsanto 31 Prozent des Saatgutmarktes und 27 Prozent des Pestizidmarktes beherrschen sowie ein Viertel der in diesem Bereich erteilten Patente besitzen. Diese Marktbeherrschung hätte fatale Auswirkungen auf den Preis-, Produkt-, Innovations- und Forschungswettbewerb und auf die Sortenauswahl und Vielfalt, schreibt die AbL.

Besondere Sorge bereitet dem Verband, dass Bayer-Monsanto auch die Digitalisierung der Landwirtschaft dominieren würde. Beide Konzerne hätten in den letzten Jahren erheblich in den Kauf von Dienstleistern, Roboterentwicklung, Analytik- und Optimierungstools investiert und seien Partnerschaften mit großen Landmaschinenhändlern eingegangen. „Bayer-Monsanto würde aufgrund ihres erheblichen Technologie- und Investitionsvorsprungs die Digitalisierung der Landwirtschaft beherrschen“, warnt Schulz. Die AbL ruft deshalb die EU-Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager auf, die Fusion zu stoppen: „Zeigen Sie Mut und setzen Sie sich für einen echten und fairen Wettbewerb ein – statt für die Gewinn-Interessen der Konzerne.“