Mexiko: Tortillas sind mit Gentech-Mais verunreinigt

Gentechnisch manipulierter Mais darf in Mexiko nicht angebaut werden. Doch über Mais-Importe aus den USA und möglicherweise auch über verunreinigtes Saatgut gelangt Gentech-Mais dennoch in die Lebensmittel. Weitestgehend gentechnikfrei sind dagegen Produkte aus dem Mehl alter Landsorten, die lokal verarbeitet werden.

Auf diese Zweiteilung zwischen industriell gefertigten Lebensmitteln und der handwerklichen Produktion auf den Dörfern hat die Entwicklungsorganisation GRAIN hingewiesen. Sie stützt sich dabei auf eine Studie, die Wissenschaftler der mexikanischen Universität UNAM im vergangenen Herbst veröffentlichten. Sie hatten 367 mais-basierte Lebensmittel, hauptsächlich aus dem Hochland um Mexico City, eingekauft und analysiert. In 82 Prozent der Proben fanden sie gentechnisch veränderten (gv)-Mais, besonders häufig in Tortillas. Selbst die Hälfte der als gentechnikfrei ausgelobten Produkte war belastet. Bei 107 Proben bestimmten die Forscher die Menge an gv-Mais. In 46 Fällen waren es mehr als fünf Prozent.. Eine Ursache der Verunreinigung könne aus den USA importierter gv-Mais sein, heißt es in der Studie. Es bestehe aber auch die Möglichkeit, dass das heimische Saatgut bereit mit gv-Mais verunreinigt sei. Die Empfehlung der Wissenschaftler: „Die derzeit gültigen Biosicherheitsrichtlinien sollten gründlich überarbeitet werden.“ Denn Mexiko ist die Heimat der Maispflanze und ihre Körner sind dort das wichtigste Grundnahrungmittel. Ein halbes Kilogramm Maismehl isst der durchschnittliche Mexikaner jeden Tag, in Form von Tortilla-Fladen, Snacks oder anderen Gerichten auf Mais-Basis

Die Tortillas, die in bäuerlichen Gemeinden aus dem Mehl regionaler Sorten von weißem Mais hergestellt worden waren, hätten kaum Verunreinigungen aufgewisen, schreibt GRAIN. Betroffen waren fast ausschließlich industriell gefertigte Tortillas und Fertiggerichte sowie das Mehl aus großen Mühlen. Laut Grain ist Mexiko einer der weltweit größten Hersteller verarbeiteter Lebensmittel. Industriell gefertigte Tortillas würden über Ketten kleiner Supermärkte bis in die Dörfer und die armen Stadtviertel vertrieben und verdrängten dort die handwerklichen Hersteller. Ein Teil der Lebensmittel wird exportiert – nicht nur in die USA, sondern auch nach Europa. Die UNAM-Wissenschaftler hatten deshalb auch einige Proben mexikanischer Lebensmittel in Frankreich, Spanien und Deutschland gekauft. Die drei deutschen Proben waren gentechnikfrei, in einer spanischen und drei französischen Proben fand das Labor gentechnisch veränderte Organismen.