USA: Ist da Gentechnik drin? Erst mal scannen…

Auch in den USA müssen Lebensmittel mit gentechnischen Zutaten demnächst gekennzeichnet werden. Wie das geschehen soll, hat das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) in einem Gesetzesvorschlag dargelegt. Verbraucherorganisationen kritisierten die Vorlage, weil die Informationen nicht auf der Verpackung stehen müssen, sondern hinter einem QR-Code versteckt werden können.

Die USDA-Vorlage sieht drei Möglichkeiten der Kennzeichnung vor: Direkt auf der Verpackung steht ‚ bioengineered’ oder als Logo die Abkürzung BE. Hersteller können für zusätzliche Gentech-Informationen auch auf eine Telefonnummer oder eine Internetseite verweisen. Oder sie drucken einen sogenannten QR-Code auf die Verpackung, mit dessen Hilfe Smartphone-Nutzer zu entsprechenden Informationen im Netz gelangen.

Die Verbraucherorganisation Center for Food Safety (CFS) kritisierte die Kennzeichnung über QR-Codes. Gerade Menschen in ländlichen Gebieten, alte Menschen und solche mit wenig Einkommen verfügten oft nicht über Smartphones und die notwendigen Breitbandverbindungen, um die Informationen hinter den QR-Codes abrufen zu können. 100 Millionen US-Amerikaner würden so von der Information über Gentechnik-Zutaten ausgeschlossen. Dies habe das USDA selbst in einer Studie bestätigt. „Das USDA sollte Textangaben auf der Verpackung oder die Verwendung von Symbolen als enzige faire und effektive Möglichkeit der Kennzeichnung vorschreiben“, sagte CFS-Geschäftsführer Andrew Kimbrell. Er kritisierte auch, dass die USDA die seit 30 Jahren eingeführten Bezeichnungen ‚gentechnisch verändert’ oder GVO (gentechnisch veränderter Organismus) nicht verwenden wolle und statt dessen den Begriff ‚biotechnologisch’ (bioengineered) vorschreibe. Das verwirre die Verbraucher und führe sie in die Irre.

Das Portal Food Navigator weist darauf hin, dass der USDA-Vorschlag mehrere Fragen offen lasse, etwa ob stark verarbeitete Lebensmittel wie Öl aus Gentech-Soja oder Zucker aus Gentech-Zuckerrüben gekennzeichnet werden soll. Auch beim Umgang mit Zutaten aus Genome Editing legt sich das USDA noch nicht fest. Der Vorschlag steht jetzt 60 Tage lang zur Kommentierung im Netz, bevor das Ministerium die endgültige Fassung erarbeitet. Das CFS hat deshalb dazu aufgerufen, die Kommentierungsphase dazu zu nutzen, eine seriöse Kennzeichnung zu verlangen.

Zur Vorgeschichte: 2014 hatten einzelne US-Staaten wie Vermont eine strikte Gentechnikkennzeichnung beschlossen. Um solche Einzelregelungen auszuheben, entschied der US-Kongress im Sommer 2016, dass es eine US-einheitliche Gentechnik-Kennzeichnung geben soll und beauftragte das USDA damit, bis Ende Juli 2018 die Detailregelungen vorzulegen. Der Kongress legte damals auch QR-Codes als eine Möglichkeit der Kennzeichnung fest. Ärger gab es deshalb in der US-Bioszene, weil der Herstellerverband OTA (Organic Trade Association) den Kongress-Vorschlag aktiv unterstützt hatte.

 

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