Baumwolle in Pakistan ist gentechnisch verunreinigt

Der größte Teil der in Pakistan angebauten Baumwolle ist gentechnisch verändert. Die noch verbliebenen gentechnikfreien Sorten sind inzwischen flächendeckend verunreinigt, meldete die die pakistanische Zeitung The News. Wissenschaftler warnen, dass dadurch Baumwollschädlinge wie der Kapselbohrer noch schneller resistent werden.

Um Schädlinge abzuwehren, produziert genmanipulierte Baumwolle die von einem Bodenbakterium stammenden Bt-Toxine. Doch die betroffenen Insekten werden dagegen resistent, in Pakistan ebenso wie in Indien oder den USA. Um solche Resistenzen zu verhindern oder zumindest zu verzögern, empfehlen die Gentechnik-Konzerne den Landwirten, einen Teil der Fläche mit gentechnikfreier Baumwolle zu bepflanzen. Die Idee dahinter ist, dass in den Bt-freien Refugien nicht resistente Insekten gedeihen und sich mit den Tieren paaren, die im Bt-Feld überlebten, weil sie eine Resistenz entwickelt haben. Dadurch würde in der nächsten Generation diese Resistenz quasi verdünnt und damit weniger wirksam.

In Pakistan hat sich nun bei Tests der zuständigen Behörde gezeigt, dass die wichtigsten gentechnikfreien pakistanischen Baumwollsorten kontaminiert sind. Alle 15 großflächig angebauten Sorten hätten sich als verunreinigt erwiesen, berichtete The News von einem Treffen des Pakistan Central Cotton Committee. Selbst die von den staatlichen Forschungsinstituten entwickelten Hochleistungssorten CIM-620 and CRIS-129 könnten nicht mehr als gentechnkifrei angesehen werden, heißt es im Text. Als Ursache nennen die von der Zeitung befragten Wissenschaftler die Übertragung des Bt-Erbguts durch Pollenflug – und warnen vor einer großen Gefahr:

Wenn die gentechnikfreien Sorten verunreinigt sind, wachsen in den Refugien auch Pflanzen, die Bt-Gifte produzieren. Das Risiko, dass in Refugien mit geringem Bt-Anteil Resistenzen entstehen, ist besonders groß, da die Schädlinge weniger von dem Gift aufnehmen und sich leichter daran gewöhnen können. Paaren sich diese resistenten Schädlinge mit den Überlebenden aus dem Bt-Feld, etabliert sich die Resistenz bei den Nachkommen und schnell entstehen große Populationen, gegen die das Bt-Toxine nicht mehr wirkt.

Die Verunreinigung gentechnikfreier Baumwolle ist nicht nur in Pakistan ein Problem: Im Nachbarland Indien wächst auf rund 90 Prozent der Fläche Bt-Baumwolle. Gleichzeitig ist Indien mit einem Marktanteil von 66 Prozent der wichtigste Produzent von Bio-Baumwolle. Diese müsste qua Vorschrift gentechnifrei sein – ist sie aber nicht. Das Schweizer Verbrauchermagazin Saldo hatte im vergangenen Jahr hohe Gentechnik-Verunreinigungen in zertifizierter Bio-Baumwolle aus Indien gefunden. Allerdings ließ sich nicht nachweisen, ob das vom Labor gefundene Bt-Erbgut aus verunreinigtem Saatgut stammte oder ob bei der Verarbeitung Fasern von Bt-Baumwolle hinzukamen.