Neue Studien zeigen einmal mehr: Glyphosat-Pestizide schädigen Ungeborene

Frauen in den durch Pestizide stark belasteten Agrargebieten Argentiniens erleiden dreimal häufiger eine Fehlgeburt, als dies im nationalen Durchschnitt der Fall wäre. Kommen die Kinder zur Welt, leiden sie doppelt so oft an Missbildungen. Das ergab eine Feldstudie der Universitätsklinik im argentinischen Cordoba. Deren Wissenschaftler hatten in einer Kleinstadt mit 8.000 Einwohner inmitten einer Agrargregion die Rate an Fehlgeburten und Missbildungen erhoben. Parallel dazu ermittelten die Wissenschaftler, dass in der Umgebung der Stadt auf 80.000 Hektar Land insgesamt 975 Tonnen Pestizide pro Jahr verprüht wurden, davon 650 Tonnen Glyphosat. Bei Messungen an mehreren Stellen in der Stadt wurden stark erhöhte Wert von Glyphosat im Boden festgestellt. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass ihre Studie trotz methodologischer Schwächen einen klaren Zusammenhang zwischen der Pestizidbelastung und den Auswirkungen auf die Schwangerschaft zeige.

Einen solchen Zusammenhang zeigt auch eine Studie der Universität im argentinischen Santa Fe – allerdings erst in der zweiten Generation. Maria Milesi und ihr Team hatten schwangeren Ratten ein in Argentinien übliches glyphosathaltiges Pestizid ins Futter gemischt. Die Konzentration lag im Bereich dessen, was bei Glyphosatrückständen in den US noch als sicher für den Menschen angesehen wird, schrieb das Portal GMWatch in seiner Besprechung der Studie. Die so ernährten Embryonen zeigten bei der Geburt keine Auffälligkeiten und wurden noch bis zum Ende der Säugezeit dem Pestizid ausgesetzt. Die Wissenschaftler paarten die weiblichen Ratten aus diesen Würfen und analysierten am 19. Tag nach der Begattung die Embryos der zweite Generation. Dabei zeigten sich die Tiere unverändert fruchtbar, allerdings war der Nachwuchs deutlich schwächer, was Größe und Gewicht der Embryos betraf. Überraschenderweise, wie die Forscher selber schreiben, stellten sie auch Anomalien fest wie zusammengewachsene Föten und Fehlentwicklungen der Gliedmaßen.

Bemerkenswert bei beiden Studien ist, dass sie nicht den reinen Wirkstoff Glyphosat betrachten, sondern die in der Praxis relevanten fertigen Pestizidmischungen mit ihren oft unbekannten Zusatzstoffen. Bei der Neuzulassung glyphosathaltiger Pestizide, an der derzeit das Bundeamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit arbeitet, sollten solche Ergebnisse also mit berücksichtigt werden.