Bald 10.000 Glyphosat-Klagen gegen Bayer

„Im Zusammenhang mit dem Pflanzenschutzmittel Glyphosat wurden bis zum 30. Oktober in den USA Klagen von etwa 9.300 Klägern zugestellt.“. Das teilte der Bayer-Konzern heute mit und fügte hinzu: „Mit weiteren Klagen ist zu rechnen“. Diese Mitteilung ließ den Aktienkurs des Unternehmens weiter fallen. Er sank im Laufe des Tages um vier Prozent und liegt inzwischen mit 66 Euro auf dem tiefsten Stand seit sechs Jahren. Dabei konnte Konzernchef Werner Baumann mit dem Geschäftsbericht für das dritte Quartal 2018 positive Zahlen vermelden: Der Umsatz im dritten Quartal legte mit 9,9 Milliarden Euro bereinigt um 1,9 Prozent zu und der bereinigte Betriebsgewinn lag mit 2,2 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau und über den Erwartungen der Analysten.

Doch die Schlagzeilen der Medien bestimmte die zunehmende Zahl der Klagen. Noch vor einem Monat war von 8.700 Klagen die Rede gewesen. Bayer-Chef Baumann gab sich siegessicher: „Wir sind unverändert davon überzeugt, gute Argumente zu haben, und wir beabsichtigen, uns in all diesen Verfahren entschieden zur Wehr zu setzen“, sagte er und schloss einen Vergleich in einzelnen Fällen aus. Es könnte in Zukunft aber sein, dass man ‚geringfügige Beträge’ für einen Gesamtkomplex zahlen würde, etwa um höhere, absehbare Rechts- und Anwaltskosten für die Fortsetzung des juristischen Streits zu vermeiden, zitierte ihn das Manager Magazin. Zu den finanziellen Risiken steht im Quartalsbericht lediglich, Monsanto sei „in jeweils industrieüblichem Umfang gegen gesetzliche Produkthaftungsansprüche versichert“ und habe „angemessene bilanzielle Vorsorgemaßnahmen für erwartete Verteidigungskosten getroffen.“

Im Pressstatement und im Bericht heißt es in Bezug auf Glyphosat und Krebs wie schon of in den letzten Monaten: „Mehr als 800 wissenschaftliche Studien sowie Aufsichtsbehörden weltweit haben bestätigt, dass Glyphosat sicher ist, wenn es entsprechend den Anwendungshinweisen verwendet wird.“ Die Tageszeitung taz hat recherchiert, dass sich lediglich 50 von diesen 800 Studien mit dem Krebsrisiko von Glyphosat befassen. Davon seien nach Angaben des Bundesinstitit für Risikobewertung (BfR) „16 Originalprüfberichte einschließlich aller Rohdaten zu Kanzerogenitätsstudien in Versuchstieren“ sowie „34 Publikationen aus der wissenschaftlichen Literatur zu Beobachtungen am Menschen“, schrieb die taz. Sie merkte an, dass unter diesen 50 Studien auch welche seien, „die manche Experten sehr wohl als Hinweis auf ein mögliches Krebsrisiko durch Glyphosat interpretierten.“ Der Biochemiker Helmut Burtscher-Schaden vom österreichischen Umweltverbands Global 2000 wertete die Argumentation des Konzerns gegenüber der taz als „bewusste Irreführung der Öffentlichkeit“.